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Samstag, 14. Juni 2014

Ein Tag im Kurhaus - (k)ein Stilleben

                                                                   Charlotte Graninger

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"Auch so kann ein Urlaubstag im Sonnberghof für mich ablaufen.
Gleich beim Frühstück entdeckte mich wie schon täglich die Frau des Mannes, der ebenfalls ein Zugengrundkarzinom hatte, eine Magensonde trägt und sich weigert zu essen. Immer wieder ersucht sie mich, mit ihm zu reden und ihm quasi zu zeigen, wie man – in dem Fall Frau – ‚danach beinand sein kann‘.  Das anschließende Gespräch mit dem Direktor war wie immer interessant und herzlich und die darauffolgende Lymphdrainage angenehm. Die kurze Bekanntschaft mit einem großen, schwarzen, zotteligen Hund verlief ‚sprunghaft‘, und als ich danach zum Essen ging, kam er mir freudig am Gang entgegengelaufen, zeigte mir seinen Knabberknochen, aber vom Frauchen war weit und breit keine Spur. Weit offen war allerdings die Zimmertür, die sie vermutlich schlecht geschlossen hatte, und die sich der Hund ohne fremde Hilfe geöffnet haben muß. Also lockte ich ihn ins Zimmer und zog die Tür fest zu. Er quittierte dies mit Bellen. 
Als ich dann die Seele des Hauses, mittlerweile eine gute Freundin, traf, mußte ich von ihr erfahren, daß ihr Hautkrebs im Gesicht nicht im Griff ist und ihr eine weitere Operation blüht. Kaum war meine Freundin gegangen, erhielt ich ein verzweifeltes  sms der einst vermutlich besten Masseurin des Hauses, die zu ihren Problemen nach einer Bandscheibenoperation Borreliose dazubekommen hat, aber die unerträglichen Schmerzen auch aus dem Kieferbereich kommen können.  Noch nicht genug erfuhr ich von meiner Schulfreundin, die seit ein paar Tagen im Krankenhaus liegt, daß sie drei Gallensteine hat, von denen der eine den Gang blockiert und viele ihrer Beschwerden davon kommen können; ganz abgesehen von ihrer Autoimmunerkrankung. Die starken Schmerzen im Kreuz einer anderen Freundin, die unter schweren Schmerzmitteln stand, waren im Vergleich zu den bisher eingetroffenen noch die geringsten; auch wenn sie sich sogar beim Reden schwer tat aufgrund der Wirkung der Schmerzmittel. Den Nachmittag ließ ich dann mit dem Mann meiner Freundin, die am Vormittag ihren neuerlichen Hautkrebsbefund erhielt, ausklingen, um zu beratschlagen, wie wir ihr zur Seite stehen können.
Am Abend lauschte ich dann nur mehr der Stille und dem gemischten Chor der  Vöglein und versuchte das Gehörte des Tages zu verarbeiten, immerhin in der Hoffnung, ein wenig Zuversicht und Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt haben zu können.