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Dienstag, 29. Dezember 2015

SDS Salvatorianer 35 .... von Tag zu Tag - und nix hat ein Ende

Ach Pater Jordan -

ich dachte mir,
irgendwie muss ich doch zu Ende bringen,
was ich irgendwann in diesem Jahr
- spontan und ungeplant - begonnen habe.
Mich mit ihnen -
und ein stückweit mit den Salvatorianern -
ihrem Orden  - zu beschäftigen.
Nicht geordnet und fundiert - sprunghaft und assoziativ,
das ist mehr meine Art.

Kennengelernt habe ich sie über ihre Tagebücher -
P.Peter gab sie mir zum Lesen -
und ehrlich
gesagt, ich war mehr als enttäuscht.

Was hatte ich erwartet?
Jemanden, der spannend seine Zeit dokumentiert?
Der sich persönlich und kommentierend einbringt?
ein bißchen Klatsch und Tratsch? Ein bißchen Kritik da und dort ....

Aber alles was ich fand waren Zitate, Zitate, Zitate -
schon als Student herausgeschrieben aus der Bibel,
bestenfalls ergänzt durch kurze Gedanken, Gebete ...
manches durchgestrichen,
manches abgebrochen, unvollendet
man erfährt nicht "warum"?
Sind sie beim Schreiben gestört worden,
fanden sie es nicht mehr richtig, nicht mehr wichtig??

Ja, in bis zu 13 Sprachen führten sie ihr Geistliches Tagebuch -
das hat mir schon imponiert - aber letztlich
war ich unbefriedigt ...
was für Seelenergüsse standen doch in meinen eigenen Tagebüchern (glücklicherweise nicht mehr vorhanden) -
Wenig spürt man bei ihnen von persönlicher Kränkung, Angst, Sorge ... aber auch
nichts von überschäumender Freude, Ausgelassenheit
und doch begann ich - irgendwann - mir auch "den Spaß" zu machen,
 so etwas Ähnliches zu versuchen.
Jeden Tag - immer habe ich es nicht durchgehalten - schrieb ich ein Bibelzitat, das mich angesprochen hat, in meinen Kalender. Und als ich jetzt eben das abgelaufene Jahr "im Kalender" entsorgen will, da merke ich erst, wie durch all diese Zitate DAS zu mir spricht,was mich wirklich zutiefst bewegt hat. Da musste ich keine persönliche Anmerkung machen -
das Zitat vom Tag hat genügt.
Am 24.Dezember notiere ich: 2.Sam 11
"Ich der Herr selbst werde DIR ein Haus bauen..."
und ich ahne,was es heißt.
Noch ist nichts Geplantes zu Ende.
Was ich selbst in der Hand habe - an das soll ich mich nicht klammern
Es wird etwas ganz Anderes kommen
"Ich der Herr selbst ...."
Aber was wird er tun?
Wie wird "sein" Haus für mich aussehen?
Habe ich die Geduld abzuwarten?
Gehe ich das Risiko ein?
P.Jordan,wie sehr haben sie auf das gehört, was sie ganz klar als innere Stimme,
als AUFTRAG wahrgenommen haben.
Nein, AUFTRAG spüre ich gar keinen ... ich würde ja gerne etwas TUN
TUN
aber ich soll warten
warten "bis der Herr selbst das Haus baut...."
WO unteredessen werde ich sein?
Das Alte abbrechen?
und NIX NEUES haben?
Oh, ich hätte so gerne etwas Fertiges
einen Abschluss, den man vorzeigen kann

Jahres BILANZ
Jahres AUSBLICK
alles ganz klar strukturiert...
so WARs - so WIRDs sein ...
Aber SO ISSES NICHT

Nichts hat ein klares Ende ...
auch der Anfang nicht in meiner Hand

Ist es das Alter, dass man da steht und nur mehr WARTEN kann?
So gerne möche ich TUN, und mich abstrudeln
und was WEITER-bringen...
Ziele abhaken ...Neues anfangen ...
Einen Guten Rutsch wünschen und Prosit Neujahr
und daran glauben, dass ich selbst
ES
in der Hand habe
Das,was ich plane und was kommen wird

Lass mich doch das Haus bauen, Gott
ich weiß, ich weiß wies geht ...ich bin schon alt genug
das hamma gleich ... mir fallt viel Neues ein, Innovatives,
lass mich doch ...
Nein sagt er "Ich der Herr selbst werde dir ein Haus bauen!"

Sehen sie Pater Jordan, so weit haben sie mich gebracht,
mit der Nach-Ahmung ihrer
Geistlichen Tagebücher.
Es sind nicht nur leere Zitate, die man da schreibt
Da redet Jemand mit einem ...
und da sagt einer Dinge,
die man so gar nicht hören will
...einfach Zitate ....

Ich werfe den Kalender 2015 trotzdem weg - mit voller Absicht -
ich will auch das los-lassen
Die letzte Botschaft "sitzt"  .. sie wird mich nicht loslassen
und ich werde es im Neuen Jahr wohl ähnlich machen.
am Ende jeden Tages, jenes Wort suchen,
das  ...

Danke Pater Jordan, auch sie habe ich in Vielem "gespürt" und gehört"



Dienstag, 8. Dezember 2015

8.Dezember - mir geschehe .... SDS 34

ANGELUS NOVUS  
Paul Klee

Seit einigen Jahren fasziniert mich der ANGELUS NOVUS
kein lieblicher Verkündigungsengel
Der angelus novus 
schaut nicht nach vorn - in die Zukunft,
die Zukunft liegt vielmehr HINTER ihm, HINTER seinem Rücken
VOR SICH hat der Engel Gegenwart und Vergangenheit ....
vielleicht möchte er dort verweilen und noch festhalten -
vielleicht gäbe es noch eine Menge zu tun..
vielleicht möchte er auch gut machen, was nicht gut war,
Aber da ist der Sturm Gottes, der kümmert sich nicht um das Vergangene
Gottes Geist bläst den Engel mit Macht - rücklings - in die Zukunft

nicht sehenden Auges in die Zukunft, nein
mit dem Rücken zu dem, was kommt

der Engel schaut, verwirrt und erschrocken
hilflos - aber die Arme offen

selbst kann er offensichtlich nicht viel tun,
er wird getrieben -  ins Unbekannte -
- er lässt sich treiben -
  hinein ins Licht

Das ist mein Verkündigungsengel -
und unwillkürlich denke ich dabei an Pater Jordan.
An ein Leben, das mit dem Einverständnis endet
"Andere werden kommen ...."
Da ist kein Triumphalismus über Gegenwart und Vergangenheit:
Seht wie gut es war, wie perfekt, wie auf Schiene ist alles gelaufen, wir ziehen eine
perfekte Bilanz, wir übergeben ein reiches Erbe
"Andere werden kommen ...
und Anderes wird kommen....
und immer wieder wird es ANDERS kommen
und immer wieder wird es GANZ ANDERS kommen

in vielen Ordenshäusern wird dieser 8.Dezember, der Mutter Gottes Tag, ganz besonders gefeiert -
oft auch mit der Erneuerung der Gelübde.

Noch einmal JA sagen - JA und AMEN
"mir geschehe"
kann man das so uneingeschränkt
fehlen nicht zu viele Antworten von oben
hat es sich der Engel nicht zu eilig gemacht
da fehlen ja noch viele Blicke auf die Zukunft
da bleibt vieles unversichert ...
Reicht die Zusage: "Gott wird ...denn für Gott ist nichts unmöglich"
Was "wird" Gott machen?
müssen nicht alles wir selbst machen?
Richtig und Falsch herausfinden
so viele Entscheidungen, die getroffen worden sind
so viele Entscheidungen,die anstehen
Falsch? -
Richtig?
JA sagen oder ....


Heute am 8.Dezember auch die Sündenfallgeschichte in der 1.Lesung
Wie sehr empört es mich immer: "von allem dürft ihr essen
nur von dem einen Baum nicht, dem Baum der Erkenntnis"
das ist nicht mein Gottesverständnis
mein Gott führt mich zum Baum der Erkenntnis
ich selbst bin es, die zögert
ja, ich bin schon alt geworden
und weise und vorsichtig geworden
und ich ahne, was ich vorfinden werde, am Baum der Erkenntnis
und ich zögere
Nein, es ist keine lustvolle "Verführungsgeschichte"
selbst die Schlange sieht mich mitleidig an
ich weiß, was ich pflücken soll,
von meinem Baum der Erkenntnis

nix anderes hängt da oben
als das
"mir geschehe"
mir geschehe - zwei Worte
von diesem jungen Mädchen Maria
zuerst zögend - dann mit überrumpeltem Vertrauen
in die Zukunft gesprochen

"mir geschehe"
das ist der Sturm
der den angelus novus
vom Platz der Gegenwart und Vergangenheit
in die Zukunft bläst .....

da hilft kein anschnallen
es wird ANDERS kommen

kann ich sagen
"mir geschehe"

ps
der deutsche Philosoph Walter Benjamin hat den angelus novus so beschrieben:
"Ein Engel ..der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind weit aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Füße sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm."










Sonntag, 11. Oktober 2015

Nein, Pater Jordan, ich habe nicht vergessen .....SDS 33

Für Ihren Orden, für die Patres und die Schwestern und alle, die euch eng verbunden sind,ist das heute ein besonderer Tag, ein besonderes Fest.
                                              MATER SALVATORIS. Mutter des Heilands.
Nur die Salvatorianer und Salvatorianerinnen feiern dieses Fest noch am 11.Oktober 
- hat Rom extra erlaubt -
in der übrigen Kirche ist es das Mutter Gottesfest vom 1.Jänner, von Neujahr
Ja, das Foto, ich weiß schon, stellt keine "mater salvatoris" da - es ist eine
"Mater divinae providentiae auxilium christianorum"-"Mutter der Vorsehung - Hilfe der Christen"
Aber es ist "mein Muttergottesbild" wenn ich in der Kapelle der Salvatorianerinnen in St. Josef
bei der Messe bin oder einfach dort "nur so vor mich hinsitze"

Zuletzt war ich am 2.Oktober dort - am Fest der heiligen Schutzengel und ich saß dort
besonders müde und aufgeregt und ein bißchen ängstlich. Sie wissen es ....
bei meiner Tochter hatten in aller Früh die Geburtswehen für ihr erstes Baby,
mein erstes Enkelkind, begonnen - und da habe ich mich zu meinen Salvatorianerinnen geflüchtet, zum Bild der Muttergottes -
Wie sehr ich schon in all den Wochen zuvor mit Ihnen, P.Jordan, gesprochen habe,
ach das wissen sie nur zu gut.

Ein kleiner Junge ist geboren ...
(und seine Eltern wickelten ihn in eine Windel... 
wie Maria ihr Baby)
wie sehr wünsche ich mir, dass dieser kleine Junge
Jesus kennen lernt, dass
Arthur Kian in aller Freiheit und Liebe aufwachsen kann, dass Gott ihm Sehnsucht ist und niemals
Angst. Danke P.Jordan, ich vertraue auch ihnen ...

Heute bin ich ja schon in aller Früh
mit einer anderen Bitte gekommen.
In Wien wird gewählt - ich bestürme den Himmel, dass es viele, viele Stimmen FÜR Mitmenschlichkeit und Solidarität gibt. Dass gerade wir Christen in dieser wunderbaren Stadt dankbar sind für die Großzügigkeit und Freiheit, in der wir hier leben können -
und dass wir die Menschen, die in diesen Wochen
auf ihrer lebensgefährlichen und beschwerlichen Flucht auch bei uns Station machen -
dass wir in diesen Menschen Gottes Führung erkennen.

                                                         Foto Caritas Westbahnhof

Dass wir erkennen, dass Gott uns nicht zu neuen Verteidigungs-und ABWEHRKÄMPFEN aufruft, nicht  GEGEN die "Bedrohung" sollen wir sein - sondern Gott möge uns zeigen, wie wir
in seinem Namen in all diesen Gesichtern von Kindern und Frauen und Männern, von Jungen und Alten JESUS erkennen. Dass uns Maria ihre Mütterlichkeit leiht, damit wir in dieser Mütterlichkeit auf die Menschen zugehen, mit offenen Armen,  und nicht mit Angst und Panik und Abgrenzung. Bald schließen die Wahllokale und wir werden mehr wissen

und nicht zuletzt P.Jordan bitte ich immer wieder und gerade heute, für ihren Orden.
All die Schwestern und die Patres. Gerade bei den Patres stehen wieder Veränderungen, Umsrukturierungen ins Haus. Das ist immer eine harte Angelegenheit. So viele Gefühle werden aufgewühlt, vielleicht auch verletzt, Ängste? Kränkungen?
und doch auch wieder so viel guter Wille und so viel Vertrauen in Gottes Führung.
Schwer ist das alles immer unter einen Hut zu bringen
Mater salvatoris - Mama Jesu, hilf
Hilf, immer dort, wo es unsere Hirne schwer machen, in Entscheidungen einzuwilligen,
JA zu sagen ....Nie gibt es perfekte Antworten .... 
Niemand weiß das so gut wie sie P.Jordan
Wie sehr haben sie selbst immer um Entscheidungen, um klare Entscheidungen gerungen -
seien sie unser aller Fürsprecher,  jeden Tag wieder, wenn auch für jeden
von uns  immer wieder Entscheidungen anstehen, im Kleinen und im Großen.

Ich danke Ihnen für alles - Ihnen P.Jordan,
mir sind sie sehr sehr oft eine Hilfe



Donnerstag, 24. September 2015

.... wo, wo zuerst anfangen .... SDS 32

 
Gebetszettelchen 
in der Klagemauer in Jerusalem

Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan sehen wir in diesen Tagen nach Österreich strömen ...Lange, lange war die "Flüchtlingsproblematik" etwas, was uns persönlich nur über Medien erreicht hat. Von Lampedusa und den Tragödien der vielen Toten im Mittelmeer haben wir gehört - Griechenland, überlaufen von all denen, die aus der Türkei auch auf gefährlichem Weg in der Ägäis nach Europa flüchten. Die Millionen Flüchtlinge in Syrien selbst, im Libanon, haben wir nicht wirklich wahr genommen. aber nun SEHEN wir die Menschen, hier, bei uns, hautnah: sehen die Gesichter der Kinder, der Frauen, der Männer...
wir sehen die Alten, die es kaum mehr schaffen, Menschen, die in Rollstühlen geschoben werden..und Kinder, Kinder, Kinder - Neugeborene - auf der Flucht geboren.
Der kleine Grenzort Nickelsdorf tagelang voll mit 10.000 Flüchtlingen und mehr, die versorgt und weiter gebracht werden - nach Wien, nach Salzburg, nach Oberösterreich. Dramatische Situationen gibt es immer wieder - HILFE gelingt nicht zuletzt nur mit der HILFE durch tausende freiwillige Helfer. In Wien am Hauptbahnhof, am Westbahnhof, in vielen Notquartieren der Stadt aber auch in anderen Bundesländern, vor allem in Salzburg kümmern sich rund um die Uhr Menschen,die sich spontan zusammen gefunden haben ...
Vor allem die Tragödie um die am 27.August in einem Kühllaster aufgefundenen 71 erstickten Menschen, die Schleppern zum Opfer gefallen sind, hat alle aufgerüttelt.
Kardinal Schönborn ruft Pfarren und Orden auf, "Quartier zu geben". Gerade die Orden leisten ja über Jahrzehnte schon diesen Dienst an den Ärmsten der Armen. Auch Pater Jordans Gesellschaft vom göttlichen Heiland hatte von allem Anfang an das Ziel, in erster Linie für die da zu sein, die von Anderen vergessen sind.

Pater Jordan, der Gründer der Salvatorianer 
mit Sr.Maria von den Aposteln, die den weiblichen
Zweig des Ordens gegründet hat - von den Schwestern soll heute die Rede sein

Noch ehe uns das Flüchtlingsdrama direkt erreicht hat, hatte ich Anfang August
Schwester Brigitte Thalhammer, die Provinzoberin der Salvatorianerinnen gefragt:
"Welchen Brief würden SIE heute P.Jordan schreiben, wenn sie ihm erzählen wollten,
was momentan an Sorgen und Anliegen und an Erfreulichem und Guten
von der Gemeinschaft zu berichten ist."
Hier Sr. Brigittes Brief vom 21.September 2015 -





Lieber P. Jordan,

wie lange ich dir schon schreiben will. 

Zunächst wollte ich dir von den Professjubiläen im August schreiben: von diesem beeindruckendem Zeugnis der Mitschwestern, die seit 40, 50 – ja 60 Jahren als Salvatorianerinnen leben. 

 

Doch dann ging es gleich 
auf eine Pilgerreise ins Heilige Land. 


Das war unglaublich beeindruckend – und ich musste daran denken, wie diese Stätten wohl zu der Zeit ausgesehen haben, als du dort warst.

Dein Aufenthalt im Orient hat dich sicher sehr geprägt – gerade auch die Begegnung mit Menschen aus so ganz anderen Kulturen. 


Aber auch diese Reise ist nun so sehr überlagert durch das, was Europa zur Zeit so sehr prägt. 
Das, was vermeintliche Unkenrufer schon vor langer Zeit angekündigt haben, tritt ein. 
Menschen aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten und aus wirtschaftlich aussichtslosen Situationen in Afrika kommen nach Europa. 
Wir leben in EINER Welt. Es lässt sich kein Lebensstil aufrecht erhalten, der auf Kosten der ohnehin Armen gelebt wird. Menschen fliehen nicht nur vor Gewalt, sie fliehen auch vor Ungerechtigkeit, 
vor korrupten und unfähigen Politikern. 
Und sie werden in Zukunft fliehen, weil die Umwelt in ihren Ländern zerstört ist. Wie recht hat Papst Franziskus mit seiner Beschreibung in seiner Enzyklika „Laudato si“.
 
Lange haben wir die Menschen an den Außengrenzen abgehalten. Lange haben die ohnehin schon viel ärmeren Länder wie Griechenland oder Süditalien die Hauptlast in Europa getragen (ganz abgesehen davon, dass immer noch gut 90% der Flüchtlinge in anderen armen Ländern Aufnahme finden). 
Jetzt sind wir mit dem Leid intensiver konfrontiert. 

Ja – P. Jordan, ich muss gestehen, ein wenig Angst habe ich schon, wie das in Zukunft unser Land prägen wird? 
Wie die Kulturen und Religionen mit einander leben lernen, 
welche Auswirkung das auf die Stellung der Frauen haben wird? 
Und zugleich merke ich, wie du mir den Rücken stärkst. 
Wie du Mut machst: Die Liebe Gottes gilt jedem Menschen ohne Unterschied – 
und wenn ich auf Jesus schaue: es waren gerade die Armen, Schwachen, Verachteten, 
die Ausgegrenzten, denen er sich zuwandte. 
Zu unserer salvatorianischen Identität gehört die Universalität: 
Nichts und niemanden auszugrenzen. P. Jordan – wie weitsichtig du bist!!! 
Wie aktuell ist dein Herzensanliegen: die befreiende Lieben Gottes allen Menschen zu verkünden und zu bezeugen. Und da geht es vor allem zunächst mal um das Zeugnis.
„Was ihr den geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“ – das bleibt nun mal der Maßstab Jesu – und somit „unser“ Maßstab. 

Wobei ich merke, wie viele junge Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, sich super engagieren (die leben „unseren“ Maßstab)  

Foto Viele freiwillige Helfer  am Wiener Hauptbahnhof

und wie andere sich auf das Christentum berufen und meinen, der „Nächste“ wären nur die eigenen Landsleute. So eine Verdrehung.

Dass Menschen mit so einer Einstellung an die Macht kommen könnten, das macht mir nun wirklich Sorge.

Und zugleich höre ich dich, P. Jordan, sagen: „Vertraue – und öffne dein Herz: für alle!“

Da sind wir dran. 
Gemeinsam mit den Mitbrüdern und den Mitgliedern der salvatorianischen Laien weisen wir mit „ware mensch“ auf das Unrecht von Menschenhandel hin. 



Da ist schon sehr viel an Bewusstseinsbildung passiert. 
Und ganz konkret werden wir mit anderen Ordensfrauen mit Solwodi Österreich. 
Dort, in einem Schutzhaus, werden Opfer von Menschenhandel betreut – 
bzw. wird Frauen, die aus der Prostitution aussteigen möchten, Möglichkeit dazu geboten. 
Ich bin sehr dankbar, was durch das Miteinander Wirklichkeit geworden ist – 
und dass Sr. Patricia  so hartnäckig dran geblieben ist. 
Einige der Frauen haben nun schon Arbeit und eine eigene Wohnung.


Und ich hoffe sehr, dass wir bald mehr als eine Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung stellen können. Und bald soll ein syrisches Baby im St. Josef Krankenhaus auf die Welt kommen – unser Sozialwerk kann die Kosten übernehmen
Hoffentlich hat er oder sie einen guten Start ins Leben.

Lieber Pater Jordan - Gut – ich schließe für heute. 
Werde mich aber immer wieder mal melden, um dich zu fragen, was nun dran ist?
Danke für die Verbundenheit

deine Schwester Brigitte







Dienstag, 8. September 2015

Lieber Pater Jordan, SIE verstehen es sicher, aber die Anderen????? SDS 31

Foto Eva Filice

Lieber Pater Jordan,

Ja, HEUTE denke ich ganz besonders an Sie - ein Mutter Gottes Fest ist das heute,
"Mariä Geburt" - und ich denke, es ist doch
für sie ein wirklicher FESTTAG.
Zwar "weint" die Rose im Bild ein wenig, aber ich stelle mir vor, , nein, es sind keine Tränen, vielleicht sind es Tautropfen, ein neuer Tag, etwas Neues beginnt.....
Sie, Pater Jordan, 
sind doch am 8.September 1918 gestorben 
Nicht in ihrem Ordenshaus in Rom - sondern in der Schweiz, in Tafers.
Bedingt durch den 1.Weltkrieg haben sie ja quasi im Exil gelebt.
Gestorben sind sie nur knapp 3 Monate nach ihrem 70.Geburtstag.
Ich habe auch erst vor wenigen Tagen meinen 70er gefeiert - aber ich denke, heute ist man subjektiv
etwas "jünger" als sie und ihre Generation es damals waren ...
Aber ehrlich gesagt, vielleicht klingt das makaber, es würde mich eigentlich nicht besonders "stören", würde ich auch schon sterben. Meine kids hören es nicht gerne, wenn ich meist lachend sage "Versprecht es mir, weint ja nicht....ab einem gewissen Alter zumindest, ist Sterben kein Grund zum Weinen ....erstens habe ich ein wunderbares Leben gehabt, zweitens bin ich sowieso ur neugierig, was DANN ist - drittens, ich muss nie mehr zum Zahnarzt ...und stellt euch bloß vor, wenn es das wirklich gäbe .... Gott von Angesicht zu Angesicht..."
Aber die "Kinder", 32 und 28 Jahre alt, finden Mamas Gerede nicht lustig ...
ich glaube SIE, Pater Jordan, verstehen  mich wohl viel besser.
Was für ein Genuss muss es sein - wirklich "GEHEN" zu können, abschließen,
"es gut sein lassen" - Ja, das scheint mir das Entscheidende
"ES gut sein lassen" 

 Bild Sr.Heidrun Bauer SDS

Pater Jordan, sie selbst haben es sich im Leben nie leicht gemacht.
Immer war da eine Last - auch die Last der "Berufung" -
die Last der Bürokratie und der kirchlichen Behörden, die einen hindern, das umzusetzen,
von dem man im Innersten überzeugt ist, dass Gott es will
Die Last des Ordens ....die Verantwortung für so viele Menschen,
Wie sehr haben sie sich auch immer wieder mit der Frage gequält;
 "Ist es SO, wie es läuft überhaupt richtig?"
Müsste es nicht doch noch anders sein? - habe ich etwas falsch gemacht?
Sollte ich etwas ändern?
Sogar an eine Ordens-Neugründung haben sie gedacht!
Entscheidungen sind ihnen schwer gefallen - das spricht für sie, denke ich.


Mein Papa sagte immer:
"Nur die Dummen wissen immer gleich,
was RICHTIG ist"
Ich sehe,sie lachen jetzt -
ja ein bissl gehöre ICH zu den Dummen.
ICH brauche nie lange für eine Entscheidung -
und so manche von diesen Entscheidungen, na ja.....
meist bete ich dann im Nachhinein "Lieber Gott,
mach DU das Beste daraus..."

Ja, SIE haben sich oft sehr gequält -
haben vieles schwer genommen -
vermutlich war das wohl auch manchmal
eine Qual für ihre Gemeinschaft.
Wissen sie, - blöde Floskel, heute wissen sie es ganz sicher - man kann einen Menschen sehr sehr
schätzen, sehr lieb haben, man kann ihn sogar für einen Heiligen halten: und trotzdem nervt er einen. Oder wird für eine Gemeinschaft zur Belastung. Einige Mitbrüder dürften so ähnlich empfunden haben. Jedenfalls, sie wissen es ja, ihr Rücktritt 1915 war schon auch ein bißchen gemobbt im Hintergrund. Samt vatikanischem Gesandten.

Ich habe nämlich die Bücher von ihrem Pater Peter van Meijl richtiggehend "verschlungen". Ein mutiger Historiker - nicht alle im Orden werden vielleicht mit ihm ihre Freude haben?
Mir jedenfalls gefällt es, wenn man um die Dinge nicht herumredet, sie nicht schönredet, kein frommes Schweigen drumherum...
Ja ich denke lieber P.Jordan, man hat sie damals, Oktober 1915,
richtiggehend "abgesagelt" -  ihnen nur eine kleine Chance gegeben, das Gesicht zu wahren. So sind sie zwar letztlich selbst als Leiter des Ordens zurückgetreten -
aber waren doch überrumpelt von den Ereignissen,überrumpelt von einigen Mitbrüdern.
Was muss das für eine Kränkung gewesen sein -
aber - ABER war das nicht großartig, wie sie plötzlich eine so schwere weitreichende Entscheidung fast locker und in aller Kürze getroffen haben
Wie wächst man da über sich hinaus ... manchmal zuvor hatten sie schon im Zorn angedeutet, für den Fall, dass .... da würden sie Dinge auf den Tisch legen ...(so ähnlich halt)
aber als es dann so weit war - waren sie ein Heiliger - in meinen Augen ganz sicher.


(Erst vor wenigen Tagen hat eine Politkerin, die man auch abgesagelt hatte, in ihrer Kränkung einen
ziemlich harten Schritt gemacht ....Kränkungen sind nicht leicht wegzustecken..)
SIE jedenfalls  haben das so vorbildlich gemacht ....
Pater Peter hat ja auch dieses spannende Büchlein geschrieben:
Wenn das GEHEN kommt.

Pater Jordan, sie wissen ja, jetzt haben wir sogar einen Papst, der zurückgetreten ist, der in Pension gegangen ist - ein historischer Schritt - und - (was immer auch die Hintergründe waren) - eine großartige menschliche Leistung und ein
Beispiel für uns alle
Ich hätte gerne, dass man auch sie lieber Pater Jordan zum Fürsprecher macht für alle, 
denen das LOSLASSEN noch schwer fällt ....
Männer tun sich da ja vieleicht besonders hart

Rom hat sie als Ordensgründer und Mensch nicht einmal noch für "selig" erklärt - persönlich ehrlich gesagt, brauche ich dazu keine formelle Erlaubnis: sie wissen,wie viel ich mit ihnen rede, wieviel Rat ich mir hole und
dass ich auch erst vor kurzem einen ganz großen Schritt geschafft habe - "in Rücksprache"auch mit Ihnen
Nein,nicht meine Pensionierung war das Probelm des LOSLASSENS:
das war ein Genuss, so gerne ich im ORF war
Aber schwer wirklich schwer war für mich etwas ganz Banales:
Als mein Sohn heiratete und mit seiner Frau begann, eine Wohnung,die beide von mir bekommen hatten, neu zu planen und von Grund auf zu renovieren: da wars für mich ja selbstverständlich,
"dass die Mutter da mitredet". Die sind ja noch "Kinder", die können das doch NIE...
Aber in wenigen Worten hat mein Sohn gesagt "Nein Mama, WIR machen das ALLEIN"
SIE wissen, wie zornig ich war - "alles, alles wird schief gehen" gings mir durch den Kopf,
"die Beiden werden sich da niemals heraussehen"
Aber meine wunderbare Tochter hat mir mit wenigen Worten den Kopf gewaschen:
"Tiger dich nicht in deine Wut, Mama. Lass los, es wird ein Genuss sein"
... und in Kürze war es wirklich ein großartiger anhaltender Genuss
Ja, auch Sie habe ich innerlich gebeten, Pater Jordan :"Bitte helfen sie mir beim Loslassen"
(und WIE Sohn und Schwiegerkind alles geschaff haben, ich hätte es nicht annähernd so gekonnt!)

LÖSLASSEN - LOSLASSEN
Viele von uns sind so um die 70 - und auch noch älter
"SENIORATSZEIT" nennt Pater Peter das in seinem Büchlein
Da muss ich lachen - jedes Mal, wenn ich an diesen Begriff stosse
Wie vornehm und wichtig das klingt!!!
Typisch Mann? Typisch Männer?
Muss es dann auch noch ein edel klingender Titel sein?
"Hallo! ich bin eben in meinem Seniorat"!
Also - ich
ich bin einfach dabei, ALT zu werden
vielleicht BIN ich auch schon alt
genießen wir es doch einfach "ALT" zu sein
kein großes Trara
ist einfach so: zerst ist man jung - dann ist man alt
Und da, neben uns, sind ja auch schon die Jungen ..die, die es weiter führen werden
anders machen werden ...es gut machen werden....
treten wir den Schritt zurück - seien wir wohlwollend im hintergrund zur Stelle
falls...falls wir gebraucht werden (übrigens "beten"kann man immer unaufdringlich!)

 (Bild  Heidrun Bauer SDS)
Mein kleiner Enkelsohn, der bald zur Welt kommt
der hat gerade "sein erstes Sterben" vor sich:
aus der großen Sicherheit JETZT im Bauch seiner Mama
wird er ziemlich brutal hinausgestossen  werden -
aber er wird hineingeboren werden in etwas ganz
WUNDERBAR NEUES
keine Ahnung davon hat der Kleine jetzt noch, zusammengeschrumpelt im Bauch seiner Mama
Aber DANN: wird er seinen ersten Schrei machen und
hallo ...danke lieber Gott ....Etappe 2 beginnt!

ja, und WIR?
Wir haben dann unser "kleines zweites Sterben" vor uns

keine Ahnung haben wir JETZT ...
ganz einfach wirds schon nicht sein
aber - ich finds auch wahnsinnig spannend
und je weniger wir DANN noch "in der Hand" haben
desto leichter
wird wohl das "hineinflutschen" in unsere neue Wirklichkeit sein
ein tiefer, tiefer Atemzug wie die Babys ... und DANN ....

Bild Sr. Heidrun Bauer SDS

PS "Mama, und wenn DANN - NIX ist?" fragen meine Kinder manchmal
     Ich sage, "dann war ALLES, was WAR und jetzt ist - dann war es GANZ GUT SO
     Keine Sekunde hätte ich anders gelebt - ich war glücklich mit dem,woran ich geglaubt habe
     Das kann mir auch kein "Nichts" nehmen
     aber ihr werds schon sehen, Kinder .....und geweint wird nicht!!!! Versprochen?
     
   


Samstag, 5. September 2015

ein historischer Tag - und das Gedächtnis an zwei Frauen, die helfen mögen SDS 30

Fotos oben/unten:   Reuters/Laszlo Balogh

Ja,ich glaube, für Österreich
ist das heute ein historischer Tag.


Tausende Menschen, tausende Flüchtlinge: Kinder, Frauen, Männer sind seit gestern Nacht unterwegs nach Österreich. Ungarn, wo diese Menschen seit Tagen unter schlimmsten Bedingungen festgessen waren, läßt die Menschen gehen - zunächst "im wahrsten Sinn des Wortes" Tausende machen sich zu Fuß auf den Weg nach Österreich - auch auf der Autobahn. Bis Ungarn Busse zur Verfügung stellt, die Menschen an die Grenze führt - Österreichs Regierung hat die Einreise erlaubt - und unzählige Östereicher sind an der Grenze, um zu helfen.
Menschen sind am Wiener Westbahnhof und erwarten auch hier die Flüchtlinge, die in Sonderzügen kommen: Wasser wird gebracht, warme Bekleidung, Babysachen ...
ein Wunder der Hilfsbereitschaft ...wie dankbar dürfen wir sein, das wir helfen DÜRFEN

hat das Beten für den Frieden, 
Beten auch um einen Lichtblick
aus dieser großen Flüchtlingstragödie geholfen?


Die Laien Salvatorianer, 
die jeden Montag zu diesem Friedensgebet aufrufen
und WIR ALLE, die es tun - 
dürfen ruhig daran glauben -
und nicht aufhören zu beten

Ich denke heute auch an zwei ganz besondere Frauen. Die EINE ist ganz wichtig für die Geschichte der Salvatorianer - der Salvatorianerinnen.
Es ist Therese von Wüllenweber, eine deutsche Adelige, die mit 49 Jahren beschließt, sich ganz dem Werk Pater Jordans anzuschließen, der so etwas wie eine "Apostolische Lehrgesellschaft" ins Leben gerufen hat. Am 5.September 1882 legt Therese von Wüllenweber, sie ist 13 Jahre älter als der Ordensgünder - ihr privates Gelübde ab, das Versprechen, im Sinne P.Jordans zu leben und zu wirken. Es ist ein "privates" Gelübde, ein mutiger Schritt, denn zur Zeit des Kulturkampfes in Deutschland ist es eigentlich ILLEGAL - gegen die staatliche Vorschrift!!!!
Mutter Maria von den Aposteln wird sie sich nennen - ihre große Leidenschaft, ihr großes Engagement gilt den Ärmsten der Armen in den nicht europäischen Ländern. Schon 1890 werden die ersten Schwestern der jungen Salvatorianergemeinschaft nach Nord Indien entsandt - eine unvorstellbar schwierige Mission. Die Frauen alle mit außergewöhnlichem Mut und Einsatz.
An sie alle denke ich heute, an ihre Kraft, an ihre Unerschütterlichkeit,
wie sehr brauchen wird das.
Die HEUTIGEN Schwestern der Mutter Maria, die Salvatorianerinnen, sind ja auch ganz besonders engegiert in der Hilfe für Flüchtlingsfrauen, für Frauen,die Opfer im internationalen
Menschenhandel geworden sind


WARE Mensch heißt ihr Hilfprogramm (mit einer Fluchtwohnmöglichkeit für gefährdete Frauen) - Wie vielen Frauen bliebe ein solches Schicksal erspart, wenn es unserer Gesellschaft gelänge,
legale Fluchtwege zu schaffen und den kriminellen Schleppern und Falsch-Versprechern das Handwerk zu legen.
Bitten wir heute Mutter Maria von den Aposteln um ihren besonderen Schutz
für all die Menschen auf der Flucht
und bitten wir noch eine Frau um ihre Hilfe


Heute am 5.September ist der Todestag von Mutter Teresa (1997+)
möge auch sie diese unzähligen Menschen begleiten,
die Sicherheit und Frieden suchen

Mögen wir - wir als Einzelne -
aber auch die Regierungen der europäischen Staaten 
in dieser Situation richtig und auf die richtige Weise
menschlich handeln lernen.

Im Evangelium des heutigen Tages, Lk.6.1 - weist Jesus uns ganz klar auf das EINE hin:
ZUERST DER MENSCH - dann die Vorschriften

und halten wir uns an Pater Jordan
beten - beten -beten

Foto ORF Werner Trinker