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Mittwoch, 22. Oktober 2014

ja ja der lustige PensionistInnenalltag - eine Irmgard Geschichte




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"PensionistInnenalltag…
könnte so schön sein; wären da nicht immer wieder ‚Einsätze‘ notwendig, die einerseits überraschend, andererseits aufregend und anstrengend sind. Und ein solcher war gestern. Bereits nach 8h rief meine Schulfreundin, mit der ich bis heute all ihre Schicksalsschläge getragen habe, an, sie hatte am Tag davor einen Autounfall (zum Glück nur Prellungen erlitten); dennoch war von Polizei über Rettung bis hin zu Zeugen alles im Einsatz.
Also: Mittagstermin absagen, Vormittagstermin auf Nachmittag verschieben, Freundin aus Hietzing holen, über Kaltenleutgeben nach Sulz, wo das demolierte Auto stand, fahren, Fotos machen und weiter zur Polizei nach Breitenfurt, die Formalitäten erledigen. Eine kurze Mittagspause einlegen, um ein warmes Süppchen einzunehmen, zurück nach Wien auf den Gürtel, um in der Werkstatt die Autoschlüssel abzugeben. Schließlich zum Ausgangspunkt Hietzing, die Freundin samt Gepäck zustellen. Alles mit Ruhe, viel Geduld und Konzentration absolvieren, div. Geschichten drei bis viermal anhören, behutsam und langsam fahren, immer in Bremsbereitschaft, falls die Freundin plötzlich die Autotür aufreißen und sich übergeben muß; schließlich hat sie ja auch eine Kopfprellung.
Zu Hause angekommen, ist es bereits 15h. Eine knappe Stunde später kommt, wie vereinbart, ein Freund, um ein Kastl am Balkon zu streichen. Während dieses trocknet, intensives Gespräch mit ihm über seine Freundin, die vor der Entscheidung Chemo oder Bestrahlung steht. Nach Abschluss dieser ‚Aktion‘ – bereits schielend vor Müdigkeit – Nachfrage bei der Freundin, deren Mutter sich in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand befindet. Kurzes Telefonat, da auch sie nach einem anstrengenden Tag kaum mehr reden konnte und wollte. Den jüngsten Stand der Dinge in Salzburg abfragen, wo meine mütterliche Freundin zwei wichtige Arztbesuche hinter sich haben sollte. Schließlich noch eine Freundin, die nach und vor weiteren Hautkrebsoperationen an der Nase im Krankenhaus Wiener Neustadt liegt, anrufen, und auch von dort nichts Aufbauendes erfahren. Nach den Seitenblicken Licht und Telefon aus!
Zum einen total erschöpft, zum anderen froh, nach dem eigenen gesundheitlichen Schicksalsschlag wieder so weit fit zu sein, um im Notfall helfen zu können, denn immer wieder bewahrheitet es sich, dass Männer (obwohl einer vorhanden) für organisatorische Einsätze und in Krisensituationen unbrauchbar sind.
Heute bereits beiden Letztgenannten zum einen als Vorbote zum 95.Geburtstag, der anderen als kleines Trostpflaster - von Wien aus organisiert - einen Blumengruß übermittelt."

Irmgard Czerny