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Mittwoch, 17. Februar 2016

...und wer ist SAMYA? "Fasten mit Samya"

"Fasten mit Samya"
ist plötzlich ganz spontan eine Rubrik in dieser Fastenzeit. Denn völlig überraschend
finde ich am Aschermittwoch auf meiner facebook Seite "lyrische Post" von Samya.
Sie weiß, wie sehr ich gerade ihren Adventblog liebe -
http://baldschonistweihnachten.jimdo.com/2015-und-seine-reste/montag-30-november-2015/

ganz intensive Gedanken, Assoziationen, Musik, Bilder, Bilder, Bilder ... ein Fixpunkt in meinem Advent, wo auch ich immer wieder Freunde bitte, mir Gedichte und Texte zu schicken die ich dann das ganze Jahr über wieder neu verteilen kann.

zur Fastenzeit - also Geschenk von Samya an MICH
jeden Tag ein Teilen von Gedanken, Gefühlen...
sie weiß, welche Freude mir das macht
Samya gehört zu meinen "ältesten" facebook Freundinnen - etwa vor 5 Jahren begann die Freundschaft und auch erst relativ spät sind wir einander "von Angesicht zu Angesicht" begegnet.
Aber da waren wir einander schon so vertraut, dass es sich anfühlte, als würde man sich ohnehin jeden Tag sehen. Samyas Name war für mich schon Musik. SAMYA - HAMIEDA - LIND. Noch ohne viel zu wissen, haben sich Kulturen aufgetan - und so war es auch.



Samya, Regisseurin, Dramaturgin, Fernsehfrau,...sie war für mich die PERSONA, in der sich irgendwie alle drei mir so wichtigen abrahamitischen Religionen kreuzten. Juden, Christen, Moslems.
Vom jüdischen Gott hat sie ihre unbeugsame Kompromißlosigkeit, wenn es gegen Faschisten und alle Menschenverachter geht - von den islamischen Mystikern hat sie ihre grenzenlos offene Güte - vom Christengott und Jesus? Vielleicht kommt von dort das Schmunzeln und die offenen Arme:
ich hab mich in diesen Armen (Metapher,war ja "nur"facebook) in manchem Kummer sehr geborgen gefühlt. 

Vor einem Jahr etwa hatte ich eine blog Rubrik "Olalla - meine geistlichen Freunde" (Freunde, die mich inspirieren ...) und da bat ich natürlich auch Samya: bitte schreib mir ein bissl was über dich - und das schrieb SAMYA


"ich bin, die ich bin und ich bin es meistens gerne. die bunte mischung, die mich meine eltern haben werden lassen, die macht mich aus. italienisch-österreichische wurzeln von meiner mama und ägyptisch-arabische wurzeln von meinem vater. das ist schon ein geschenk. dieses wird dann zur hypothek, wenn das kindsein und erwachsenwerden im katholischen 
övptirol stattfindet.

das leben darf nicht leicht sein. es muss herausfordern. das habe ich früh erkennen dürfen – eigentlich müssen, und das ist gut so. irgendwie war ich immer zu schnell im begreifen und durchschauen. natürlich war ich auch zu neugierig und zu offen. ich wollte wissen und lernen. das alles macht mich auch heute noch aus. 

(Samya links im Bild)


ich bin nicht religiös. meinen kinderglauben habe ich längst verloren. um einen anderen hab ich mich nicht wirklich bemüht. das war mir nicht wichtig genug. die geschichten aus dem ersten testament finde ich herausfordernd. ich mag sie. meine lieblingsbibelgeschichten sind die ‘josefsgeschichten‘ und mein lieblingsbuch ist ’josef und seine brüder‘ von thomas mann. darin kommt israel vor. darin kommt ägypten vor. meine beiden heimaten. meine mutter ist jüdin. so bin ich es auch. mein vater lebt leider nicht mehr. er war muslim. das spannungsfeld dieser beiden abrahamreligionen liegt mir im blut. für beide religionen bin ich das andere. 
für mich bin ich eben die, die ich bin.

meine katholische schulerziehung in tirol hat mich nicht brechen können. ich war und bin zu widerspenstig. bischof stecher, ein toller mensch, hat mich seinerzeit zu drei könig in die melchiorklamotten gesteckt. mein gesicht wurde schwarz gefärbt. ich bin beim sternsingen mitgegangen, habe laut und falsch gesungen. die theatralen inszenierungen der römisch-katholischen gottesdienste haben mir eindruck gemacht und auch die wirklich schönen gewänder der priester, die sie sehr weiblich wirken lassen. 

schöner waren nur die frauen in ihren habits und in ihren geheimnisvollen klöstern. am ende meiner pubertät verliebte ich mich richtig ernsthaft in eine. es gelang mir nicht, maria für mich zu gewinnen und mit ihr wenigstens eine zeitlang eine liebe zu leben. sie war ja schon mit jesus verheiratet. das warf bei mir die frage auf, ob dieser jesus nicht bigamist und egoist sei, weil er mit allen nonnen der welt verheiratet ist. später, als ich schon studierte, waren es dann mezzosopranistinnen, die mich beschäftigten und mir mein herz brachen. längst interessieren mich mezzosopranistinnen nur mehr stimmlich für meine arbeit. über alles lieben tu ich meine frau. sie liebt mich auch. 

Samya und Doris
immer wieder begegne ich nicht nur in meiner arbeit der religion in all ihren facetten, weil sie die menschen bewegt und herausfordert – all das auch fernab vom glauben.

die geschichten der menschen sind voll von sehnsucht und liebe. wie immer diese sehnsucht und diese liebe aussieht - beides ist das leben. genauso und nicht anders. auch für mich. ich bin eine suchende und werde das bis an das ende meiner tage bleiben. die weltreligionen erlebe ich mehr und mehr als machtinstrumente. wer glauben will und als hilfsmittel eine religion braucht, soll das ruhig tun. die achtung und liebe zu den menschen darf dabei aber nicht verloren gehen. 

ob es gott gibt, das weiss ich nicht. meine urgrossmutter, die ich achtunddreissig jahre nach ihrem tod immer noch vermisse, sagte in ihrem ewig gebrochenen deutsch mit italienischem akzent : ‘ woher soll ich wissen, ob es gott gibt? ich weiss nur, dass es aus drei liter wasser, zwei kilo rindfleisch, karotten, sellerie und ein paar pfefferkörner eine wirklich gute suppe gibt.‘ das mit der suppe hab ich ausprobiert und das stimmt. etwas anderes erleb ich immer wieder: es gibt menschen, die mein leben reich machen. du, ilse, gehörst auf jeden fall dazu. dafür danke ich dir. samya

samya hamieda lind dr. mag. phil. 
theater. film. pädagogik.
regie. text. konzept. intervention. vernetzung.

Das also ist "Fasten mit Samya"