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Sonntag, 23. März 2014

einlassen..wie die Frau am Jakobsbrunnen

Die Frau am Jakobsbrunnen gehört zu meinen Lieblingserzählungen im Evangelium.
Ja, die Frau gefällt mir. Ich stelle sie mir groß und hübsch und stark vor, unerschrocken und sehr lebendig, keine Frau, die ängstlich ihren Kopf verhüllt,wenn ein Fremder sie anspricht. Sie hat ein gutes Mundwerk und es macht ihr Spaß, jemand heraus zuforden. Vor Männern hat sie keine Angst...ihr gefällt der Fremde am Brunnen und als er sie um Wasser bittet, schäkert sie ein bißchen mit ihm. "Du, sagt sie zu ihm, du bist doch ein Jude und du siehst dass ich eine Samariterin bin, keine Jüdin, warum willst du was von mir? Ist das bei euch nicht verboten?" Sie ist keck und ich denke,sie flirtet ein bißchen. Später werden wir hören, dass sie Erfahrung mit Männern hat …. vermutlich gefällt ihr auch dieser Fremde am Dorfbrunnen …

und Jesus? Auch er ist anders, als die Anderen

er ist müde und durstig, kein Superhero
er braucht jemand, der ihm hilft
er spricht unbefangen jemand an, der eigentlich zu einer religiösen Gruppe gehört, mit der Juden keinen Umgang haben
er spricht eine Frau an
er bittet um etwas
er tritt nicht herrisch und arrogant auf
er läßt sich auf sie ein
auf ihren kleinen Flirt, auf ihre kleine Provokation antwortet er ernsthaft
sie ist ihm als Frau nicht zu blöd für eine Auseinandersetzung
er spielt sein Wissen um sie nicht als Trumpf aus: ja, du hast nicht einen Mann, du hast viele
er beschämt sie nicht
sie muss nicht vor ihm davonlaufen, weil er ihr Angst macht mit seinem Wissen
das Gespräch wird offener und tiefer
Jesus kann von sich selbst sprechen, Ja, ich bin der Messias, sagt er

da läßt die Frau ihren Wasserkrug fallen und läuft ins Dorf: alle sollen kommen und sehen, hier ist der Messias. Sie, die Frau am Brunnen hat mehr verstanden als die Jünger, die seit Monaten mit ihm herumziehen. Eine Frau, vielleicht eine Prostituierte, ist seine Apostolin … 
sie versteht und hat keine Scheu sich zu blamieren

Am Ende der Geschichte denke ich mir immer: und wann bekommt Jsus jetzt endlich zu trinken????

Zwei Kerngedanken bleiben für mich auch
wie gut das ist, man muss keine Angst haben, wenn Jesus einen durchschaut bis dorthin, wo man vielleicht nicht einmal noch selbst hingeschaut hat. Er beschämt mich nicht, er läßt sich mit mir ein – ich muss nur auch auf ihn eingehen
und noch etwas lerne ich: wie komme ich mit Menschen ins Gespräch. Respektvoll und immer
auf gleicher Höhe … Jesus,nicht der große Dozierende, er hockt am Brunnenrand ….

Ja und dann will ich auch nicht vergessen, dass er ja noch Durst hat, dass er um Wasser gebeten hat.
Das muss ICH ihm auch noch geben