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Montag, 28. November 2016

Felice - ein Irmgard Gedicht

Charlotte Graninger


Felice

…so nannten die Großen das kleine Engerl.
Es sollte ein Glücksbringer sein, dieses Bengerl.
Noch tollte es übermütig herum,
doch keiner der Großen nahm es ihm krumm.
So begab sich ‚s, daß Felice über Nacht ward verschwunden –
auf keiner der Wolken ward es gefunden.
Es wollte nun endgültig selbständig sein,
daß niemand der Großen mehr redet ihm drein.
Mutig flog und taumelte es auf die Erde,
ohne zu ahnen, was dort aus ihm werde.
Bunte Lichter, Kollegen aus Glas, Porzellan
und Weihnachtslieder zogen es an.
Auf dem Dach einer Hütte am Christkindlmarkt
hat Felice für’s erste einmal geparkt.
Sich unsichtbar machen, das ist des Engels Pflicht
und Glück zu versprühn in das Menschengesicht.
Und siehe da, plötzlich kamen gar viele
zu dem Weihnachtsstand nur mit dem einzigen Ziele
Geschenke zu kaufen, die Freude verbreiten –
ein kleiner Lichtblick in ernsten Zeiten.
Felice, das Engerl, hat erkannt, was es kann
und fliegt jeden Tag einen andern Stand an.
Macht Besitzer und Käufer für kurze Zeit froh –
für Felice, die Glückliche, gehört sich das so.

© irmgard czerny