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Mittwoch, 16. November 2016

Fürbitten 17.11 Wie soll ich meine Seele halten, daß sie nicht an deine rührt?



17.11.2016 Hl.Gertrud  Joh.15.1  wie Weinstock und Rebe
Die heilige Gertrud, geboren 1256 in Thüringen, ist eine der großen Mystikerinnen des Mittelalters, humanistisch und theologisch hochgebildet. Die Frauen in den Frauenklöstern hatten große Chancen auf Bildung und Eigenständigkeit, man denke nur an Hildegard von Bingen. Gertrud von Helfta hat in ihren Visionen, in ihrer Beziehung zu Gott das gespürt, was Liebespaare als ganz selbstverständlich empfinden. „Wir sind EINS“ So innig empfand Gertud ihre Liebe zu Jesus – und sie spürte, dass es umgekehrt genau so ist: Gott liebt auch uns maßlos. Es ist kein „Mit-einander“ – es ist ein „In-einander“
Bitten wir heute

Dass wir voll Freude und unbekümmert in dieser Liebe Gottes leben, dass wir nicht fromme Pflichten erfüllen, sondern uns leicht und lebendig fühlen, wie Verliebte

dass wir nie Angst haben, aus dieser Liebe Gottes zu fallen – dass wir ihn durch nichts verlieren können

dass sich auch andere Menschen auf unsere Zuneigung und unsere Treue verlassen können

dass unsere Liebe einen langen Atem hat, dass wir geduldig sind, dass wir großzügig sind, dass niemand nach unserer Pfeife tanzen muss, dass wir uns die Menschen nicht zurechtbiegen, wie wir sie wollen

dass wir Kränkung nicht nachtragen, dass wir nicht Recht haben müssen, nicht das letzte Wort haben müssen, dass wir nicht Angst haben in der Liebe zu kurz zu kommen

dass wir unsere Liebe in der Liebe Jesu verankern, so dass sie alles aushalten kann, auch unser eigenes Versagen, all das, was wir selbst nicht an „gut-sein“ schaffen

So bitten wir dich guter Gott: schenke uns diese Liebe, die unser ganzes Leben trägt und die uns hilft, auch das Leben anderer mit zutragen: in der Liebe Jesu. Amen



LIEBES-LIED  
Rainer Maria Rilke

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.