Marc Chagall: Kain und Abel
17.2.2025 Gen.4.1 Kain, wo ist dein Bruder Abel - bin ich der Hüter meines Bruders Das Blut deines Bruders schreit zu mir
Auch in den Gottesdiensten dieser Woche hören wir Texte aus dem Buch Genesis, Texte aus der alten jüdischen Bibel, in der sozusagen vom Anfang der Welt und den ersten Menschen erzählt wird.
Was das Buch Genesis erzählt, das sind aber keine Tatsachenberichte und keine Reportagen. Die Erschaffung der Welt, das erste Menschenpaar, der Sündenfall, die Vertreibung aus dem Paradies: Es sind mythologische Geschichten, Geschichten mit denen sich die Menschen, im Verweis auf einen Gott, vor vielen tausend Jahren die Welt und ihr Leben erklärt haben. Heute hören wir die dramatische Schilderung vom ersten Brudermord der Geschichte. Kain, er ist der älteste Sohn von Adam und Eva, erschlägt aus Verdruss, Neid und Wut seinen jüngeren Bruder Abel. Gott spilt in diesem Geschehen eine Rolle, aber nicht, indem er Abel rettet! (Das würden wir uns wohl in erster Linie wünschen?) Er als der Mord geschehen ist, greift Gott ein. Nun verlangt er von Kain Rechenschaft „Wo ist dein Bruder?“. Fragt Gott. Und Kain antwortet, so wie es Menschen über Jahrtausende vermutlich gemacht haben: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Was geht mich schon das Schicksal eines Anderen an? Wir könnten nun natürlich nachdenken, warum Gott Verbrechen überhaupt zulässt. Aber bleiben wir bei der Person von Kain. Was geht sie uns an? Nein, wir selbst sind natürlich keine Mörder. So gesehen müssen wir uns nicht betroffen fühlen – ABER: wie viele bittere Gedanken tragen wir doch immer wieder in uns. Neid, Eifersucht, Ablehnung und Zorn, sie sind uns nicht fremd. Bitten wir heute
Bitten wir heute zu aller erst für alle Menschen, die an anderen schuldig geworden sind – vor allem an solche, die religiöse und nationalistische Motive zu ihrer Rechtfertigung vorschieben. Bitten wir dabei ganz besonders für die Opfer der terroristischen Messerattacke in Villach, - halten wir einen Moment Stille
Bitten wir für alle, die glauben, gekränkte Gefühle und Beziehungskonflikte nur mit Gewalt lösen zu können, denken wir an die vielen Frauen, die Opfer in solchen blutigen Attacken werden
Bitten wir vor allem für aggressive Jugendliche, die oft nichts anderen erfahren und gelernt haben, als Gewalt und Brutalität
Bitten wir vor allem aber auch um ein Ende aller Kriege, wo, sozusagen, vom Staat abgesegnet, Mord und Totschlag nicht einmal mehr Verbrechen sind
Und bitten wir für uns selbst: Dass wir achtsam auf unsere Gedanken und Gefühle achten, dass wir Wut und Hass und Zorn erst gar nicht in uns selbst hochkommen lassen
Dass wir Eifersucht und Neid und Missgunst in uns erkennen - Dass wir uns nicht in falscher Konkurrenz mit anderen messen
Dass wir uns für uns für das Wohlergehen Anderer verantwortlich fühlen - Dass wir auch anderen Gutes und Erfolge gönnen
Du guter Gott, beschütze und bewahre uns vor dem „Kain“ in uns selbst, lass uns in Respekt und Frieden miteinander leben. Lass uns Konflikte aushalten und immer zur Versöhnung bereit sein. Amen