Seiten

Donnerstag, 3. April 2025

Fürbitten 4.4. Ja, ich kann die Skepsis verstehen

 

4.4.2025  Joh.7.1 das kann nicht der Messias sein

Im Johannes Evangelium dieser Tage spitzt sich die Situation rund um Jesus immer mehr zu. Immer intensiver berichtet Johannes von den Feindseligkeiten gegen Jesus, immer mehr ahnt man, das kann nur tragisch enden. Heute erleben wir eine Szene, in die wir uns sicher gut hineindenken können. Jesus ist in Jerusalem, er wird von Menschen erkannt, die von seinen Wundern und Predigten gehört haben, aber für sie ist undenkbar, dass er der verheißene Messias sein könnte. Auch wenn sie fasziniert von Jesus sind, sagen sie sich : „Von dem wissen wir doch, woher er kommt, so jemand kann nicht der Messias sein“. Man kann die Skepsis nachvollziehen. Bei uns – mehr als 2000 Jahre später -  ist es vielleicht gerade umgekehrt: Wir haben so festgefügte Jesus = Sohn Gottes - Bilder, dass wir ihn, den Menschen, der wirklich gelebt hat - gar nicht mehr erkennen können. Bitten wir heute:

 

Dass wir uns immer wieder in den MENSCHEN Jesus hineindenken, ihm so zuhören, dass wir Jesus nicht nur verklärt sehen,

dass wir das Ungewöhnliche, das Herausfordernde, das so ganz Andere am Menschen Jesus wahrnehmen

dass wir auch „Anstoß“ an ihm nehmen, dass wir Widersprüche, die wir empfinden, nicht nur fromm „weg beten“

dass wir immer wieder auch an das durch und durch menschliche Leben von Jesus und seiner Familie denken

dass wir uns aus diesem Leben – gerade von Maria -   Geduld abschauen, Toleranz, einen langen Atem für alles, was wir nicht gleich verstehen

dass wir mit dem Blick auf Jesus Geduld und Respekt vor allen Menschen haben, die aus dem Rahmen fallen, die nicht angepasst sind, die ihren eigenen Weg gehen und oft anecken

bitten wir, dass wir Jesus gerade auch heute wieder im allernächsten Menschen entdecken,vielleicht gerade in dem, dem wir lieber aus dem Weg gehen wollen

  

Bitten wir für alle, die in diesen Tagen einen schweren Weg gehen, dass sie Hilfe finden, vielleicht auch durch uns. Amen

FASTEN ... also dann

 


KEINE  ANGST  VOR  FEHLERN

"Aus seinen Fehlern kann man mehr lernen als aus seinen Erfolgen" Primo Levi

 „Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“   Dietrich Bonhoeffer 

 „Auch heute viel zu tun, ich bereite meinen nächsten Irrtum vor.“ Bert Brecht 


Mittwoch, 2. April 2025

Fürbitten 3.4. DURCHHALTEN - ja, das sagt sich so leicht

 


3.4.2025  Ex.32.7  ein langer mühsamer Weg

 Drastisch wird heute in der Lesung geschildert, wie das ist, wenn Menschen zu lange auf die Einlösung einer Hoffnung, eines Versprechens warten müssen. Da ist zunächst große Begeisterung für das Neue, man bricht sozusagen zu neuen Ufern auf, man ist bereit jede Schwierigkeit auf sich zu nehmen – aber wenn der Weg „ins Gelobte Land“ zu weit wird, wenn man kein Ziel mehr vor Augen hat: dann schlägt die Stimmung um. Dann setzt der Frust ein, dann sehnt man sich nach den alten Zuständen zurück, dann schlägt Hoffnung oft auch in Wut um. Moses, der Führer des israelitischen Volkes, erfährt diesen Stimmungsumschwung. Für die Menschen scheint die Wüstenwanderung kein Ende zu nehmen.

Kennen wir das nicht auch aus unserem eigenen Leben. Dass man an einen Punkt kommt, wo man erschöpft ist, wo man jeden Glauben verliert, wo man nur noch zynisch und frustriert ist. Gerade erst haben wir die mühsamen Jahre der Pandemie verdaut, da müssen wir uns schon wieder mit massiven anderen Krisen auseinandersetzen. Es ist wirklich eine Zeitenwende, in der wir stecken. Das „Murren des Volkes Israel“ können wir wohl nur zu gut nachvollziehen. Bitten wir heute

um Geduld und Ausdauer - für alle Menschen, die in diesen Tagen mit Schwierigkeiten und Problemen kämpfen, vor allem aber für die Menschen in den Kriegs- und Krisen- und Katastrophengebieten  

 

bitten wir um Geduld und Ausdauer - dass wir auch die vielen offenen Fragen in unserem eigenen Land lösen, dass es Vertrauen in die Regierenden und Verantwortlichen gibt

 

bitten wir um Geduld und Ausdauer für unsere alten Mitmenschen, für alle, die auf Pflege und Hilfe angewiesen sind, für die Kranken und für alle, die sich allein gelassen fühlen

 

Bitten wir um Geduld und Ausdauer - auch in den vielen mühsamen Diskussionen in kirchlichen Gremien beim Ringen um Erneuerungen und neue Wege

 

Bitten wir um Geduld und Ausdauer - für uns selbst, überall dort wo sich Wünsche zerschlagen haben, wo sich Pläne und Projekte nicht oder noch nicht verwirklichen lassen

 

Bitten wir um Geduld und Ausdauer - dass wir auch in diesen letzten Tagen der Fastenzeit nicht die Geduld verlieren, dass wir an Veränderung glauben, auch wenn sie manchmal so unerreichbar scheint

 

Ja, auch vielen von uns scheint diese Zeit wie ein langer Weg durch die Wüste. Wir bitten um Kraft, Hoffnung und Zuversicht.  Und dass wir dabei das Gemeinsame über das Trennende stellen. Amen

FASTEN ... also dann

 


den SCHATTEN in mir entdecken

und jeden Tag wieder:

"Springen sie, so oft sie können, - 

über ihren Schatten“  

Erwin Ringel


Dienstag, 1. April 2025

Fürbitten 2.4. vertrauen will ich, vertrauen will ich

 

2.4.2025 Jes.49.14  Vergisst denn eine Frau ihr Kindlein, eine Mutter den Sohn…und selbst wenn, ich vergesse dich nicht  Joh.5.17 ..darum waren sie aus, ihn zu töten

Die Lesungen für den Gottesdienst heute sind wie ein Drama komponiert. In der jüdischen Bibel hören wir eine der wunderschönsten Stellen an Zuversicht und Vertrauen: durch den Propheten Jesaia sagt uns Gott: „ich werde dich erhören, ich werde dir helfen .. denn selbst wenn eine Frau ihr Kindlein, eine Mutter ihren Sohn vergessen würden (was fast undenkbar ist), ICH DEIN GOTT  vergesse dich nicht“.  Das ist die 1.Lesung – wie tröstlich.

Im Evangelium aber spürt man, wie sich die Schlinge um Jesus zuzieht, wie sich das Drama seines Todes vorbereitet. Zu sehr haben sich viele einflussreiche Fromme schon von ihm provoziert gefühlt: Jesus hat durch seine Heilungen den Sabbat geschändet und, was noch schlimmer ist – sich selbst als Sohn Gottes bezeichnet -  Das ist sein Todesurteil. Aber WO nun fragen wir, ist die Hilfe und Errettung für Jesus? Wird er selbst nicht im Innersten auf die Worte Jesaias gesetzt haben: „Ich dein Gott verlasse dich nicht“..... Auch in unserem Leben liegt es doch so oft dicht beisammen: Hoffnung, Vertrauen und doch auch immer die Verzweiflung „hat Gott mich vergessen?“ Denn nicht alles "geht gut aus"  – bitten wir heute

für alle Menschen die sich in einer verzweifelten Lage befinden, für die Leidtragenden von Kriegen und Konflikten und Katastrophen

bitten wir für uns selbst, dass wir es aushalten, in diesem Spannungszustand zu leben: zutiefst hoffen und doch immer wieder Enttäuschungen zu erleben

dass wir das Entsetzen in der Welt rund um uns wahrnehmen – und doch weiter voll Vertrauen beten und bitten

dass wir uns in Gott geborgen fühlen – und doch auch die Leere und seine Abwesenheit aushalten

dass wir Lebensänderungen annehmen können, vor allem solche, die uns momentan aus der Bahn werfen

dass wir mit Jesus beten können „Dein Wille geschieht“ - dass wir zu-lassen können, all das zu-lassen, was Gott gerade auch heute wieder von uns will

Ja, um diese Kraft und um dieses Vertrauen bitten wir guter Gott, Amen

 

Bitten wir immer wieder auch mit den Worten von Charles de Foucauld:

„Mein Vater, ich überlasse mich dir, mach mit mir, was dir gefällt.
Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir. Zu allem bin ich bereit, alles nehme ich an. Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt und an allen deinen Geschöpfen,
so ersehne ich weiter nichts, mein Gott.“ Amen

 

 

 

FASTEN ... also dann

 



immer wieder 
"Standortbestimmung

Was tue ich, 
was ich weiterhin tun soll?
Was tue ich, 
womit ich unbedingt zu tun aufhören soll?
Was habe ich noch nicht angefangen zu tun, 
was ich schon längst hätte tun sollen?