Die Liturgie des heutigen Tages beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem. Hosanna Rufe und Jubel der Menge stehen am Anfang der Geschichte – am Ende aber - in der Passionsgeschichte - Folter und Schmerz und das qualvolle Sterben Jesu. Nehmen wir in unseren Gedanken nicht schon die Auferstehung vorweg – bleiben wir bei Leid und Tod, bleiben wir beim Scheitern, bleiben wir beim unsäglichen Leid der Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Bleiben wir in Gedanken dort, wo alle großen Hoffnungen ins Nichts zerfallen. Halten wir auch unsere eigenen Enttäuschungen, unser eigenes Scheitern aus. Noch eine Woche lang werden wir Jesus auf seinen Weg in dieses furchtbare Ende begleiten. Fühlen wir mit den Menschen mit, die so viel erwartet haben und die alles verlieren werden. Nicht zuletzt die Mutter von Jesu. So wie die unzähligen Mütter in unserer Welt, die ihre Kinder sinnlos sterben sehen müssen.
Bleiben wir in den Fürbitten still – halten wir Gott nur unsere Sehnsucht nach heil sein, nach Frieden, nach einem Ende von Leid und Schmerz hin.
Palmsonntag
ein Ölzweig
schnell vom Baum gerissen
macht noch keinen Frieden
die begeisterte Menge
ist wankelmütig
und hängt ihre Palmen nach dem Wind
so schnell
lässt man dich fallen
du kommst auf
keinen grünen Zweig mehr
jetzt wartet
Totholz auf dich
aus: Andreas Knapp " Höher als der Himmel, Göttliche Gedichte" 2010
