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Sonntag, 30. November 2025

ADVENT PS „WERDET VORÜBERGEHENDE“

 

"SEID WACHSAM", das ist heute im Evangelium zum 1.Adventsonntag gleichsam das Mantra. Ein Mantra, das uns zumindest diese 4 Wochen begleiten soll. Wachsam sein, achtsam, aufmerksam – im Hier und Jetzt leben. Wahrnehmen was rund um mich geschieht, mich engagieren, einmischen, hilfsbereit sein. Mich nicht abfinden, mit all der Ungleichheit und Ungerechtigkeit die ich sehe.

WACHSAM SEIN! Ja! – aber gleichzeitig spüre ich – vielleicht ist es das Alter, vielleicht sind es die 80 Jahre – ja gleichzeitig spüre ich, dass mir – ganz tief innen – das Wachsam sein auch schon ein bissl anstrengend wird.

Nein, ich will nicht immer wachsam sein, ich will nicht immer angestrengt wahrnehmen, was alles schief läuft, nicht andauernd registrieren, wo überall es Änderungen bräuchte.

Ja ich will nicht einmal gegenüber meinem eigenen Unvermögen mehr „wachsam sein“. Ich will nicht in dieser Anstrengung leben, dass so vieles an mir geändert, verbessert, optimiert, geglättet werden sollte.

Im apokryphen Thomas Evangelium habe ich schon vor längerem den Jesus Satz gefunden, der mir guttut. Ein Wort, das mich einfach durchatmen lässt. Ein Wort, das nix von mir verlangt …Ein Wort, das mich da-sein lässt, ein Wort, mit dem ich nicht in Anspannung leben muss. Ich DARF …. Was immer es ist

WERDET  VORÜBERGEHENDE   sagt Jesus da,  (im 42.Vers)

WERDET  VORÜBERGEHENDE

Ist es das, was ich im Alter sein darf? Und was ich immer und immer wieder bei Rilke gelesen habe, und es erst jetzt immer tiefer verstehe:

"Sei allem Abschied voran, als wäre er hinter dir"

 

Sei allem Abschied voran, als wäre er hinter
dir, wie der Winter, der eben geht.
Denn unter Wintern ist einer so endlos Winter,
daß, überwinternd, dein Herz überhaupt übersteht.

Sei immer tot in Eurydike -, singender steige,
preisender steige zurück in den reinen Bezug.
Hier, unter Schwindenden, sei, im Reiche der Neige,
sei ein klingendes Glas, das sich im Klang schon zerschlug.

Sei - und wisse zugleich des Nicht-Seins Bedingung,
den unendlichen Grund deiner innigen Schwingung,
daß du sie völlig vollziehst dieses einzige Mal.

Zu dem gebrauchten sowohl, wie zum dampfen und stummen
Vorrat der vollen Natur, den unsäglichen Summen,
zähle dich jubelnd hinzu und vernichte die Zahl.


Aus: Die Sonette an Orpheus, Zweiter Teil