24.4.2026 Apg.9.1 wenn aus Saulus Paulus wird
Auch das ist zu einem geflügelten Wort geworden: „Aus Saulus wird ein Paulus“. Ein Satz, mit dem man in Kürze sagt, dass sich jemand radikal von einem zu einem anderen Standpunkt bekehrt hat. Genau davon erzählt heute die Lesung aus der Apostelgeschichte. Es ist eine fast unglaubliche Bekehrungsgeschichte: Saul ist ein griechisch gebildeter jüdischer Gelehrter, er war dabei, als der Diakon Stephanus von einem Mob gesteinigt wurde, Saul ist überzeugt davon, dass diese neue Sekte bekämpft gehört. Auf dem Weg nach Damaskus, wo er Jesus Anhänger festnehmen will, passiert ihm unglaubliches. Helles Licht blendet Saulus, er stürzt zu Boden, er hört eine Stimme, die ihn fragt „Saul Saul warum verfolgst du mich.“ Saul kann nichts mehr erkennen, er, der als Verfolger nach Damaskus kommen wollte, ist nun erblindet, hilflos, man muss ihn an der Hand führen. Nach 3 Tagen folgt die wunderbare Bekehrung – aus Saul wird einer, den sie dann Paulus nennen und der für seinen Glauben an Jesus sterben wird. „Gott schreibt gerade auch auf krummen Zeilen“, könnten wir auch sagen. Bei Gott ist alles möglich. Menschen sind immer wieder fähig, „ganz anders“ zu werden, radikal umzukehren. Nie darf man einen Menschen abschreiben. Unser eigenes Leben ist vermutlich nicht so spektakulär, und trotzdem geht es auch bei uns Tag für Tag um „Umkehr“. Was heute noch richtig war – kann morgen, in einer neuen Situation, nicht mehr das Richtige sein. Jeden Tag müssen, nein, dürfen wir neu hineinwachsen – in das, was Gott will. so bitten wir
dass wir die Botschaften wahrnehmen, die du uns in täglich neuen Herausforderungen mit auf den Weg gibst
dass wir auch erkennen, dass es oft ganz ungewöhnliche Situationen und in andere Menschen sind, durch die du uns Richtungsentscheidungen aufzeigst
Dass wir uns immer wieder aus Selbstzufriedenheit und Selbstgewissheit aufschrecken lassen
dass wir, wie Saulus, vom „hohen Ross steigen“, dass wir immer wieder innerhalten, Dinge neu überdenken, neu hinhören auf das, was ein ganz neuer Weg sein kann
dass wir es uns eingestehen, wenn wir uns „verrannt haben, dass wir uns nicht schämen umzukehren, auch wenn wir oft noch wie blind den neuen Weg suchen müssen
dass wir uns auch hin-horchen getrauen auf unsere Gefühle, auf unsere Sehnsucht, auch so spricht Gott zu uns
dass wir einander auch dabei helfen wollen, wenn sich neue Entscheidungen anbahnen
dass wir voll Respekt sind für die Lebensentscheidung anderer
dass wir neue Wege akzeptieren, auch wenn wir deren Sinn nicht gleich verstehen
Du guter Gott: auch uns begegnest du wie Paulus: unvermutet reißt du uns heraus aus unseren Plänen und Aufgaben: lass, dass wir keine Angst haben, uns von dir führen zu lassen. Hilf uns vertrauen – und führe uns alle auf einen guten Weg. amen
ZUR LESUNG Die Bekehrung des Saulus ereignete sich
wahrscheinlich im Jahr 36 nach Christus; sie wird in der Apostelgeschichte
dreimal erzählt (9,1-19; 22,4-21; 26,9-18). Schon dieser Umstand zeigt
die große Bedeutung, die Lukas dem Ereignis beigemessen hat. Es ist
offenkundig, dass er darüber nicht nur einen protokollarischen Bericht geben
wollte; seine Erzählung ist zugleich Deutung des Geschehenen. Christus ist dem
Verfolger erschienen; die Lichterscheinung und die Stimme vom Himmel haben dem
Leben des Saulus eine andere Richtung gegeben und damit die weitere Entwicklung
des Christentums entscheidend beeinflusst. Dass die Kirche zur Völkerkirche
wurde, dankt sie dem Damaskusereignis.