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Samstag, 5. Juli 2014

SAPERE AUDE - Wage es, selbst zu denken

                                                                Immanuel Kant 
                                                         "in Häppchen genießen!"


"AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [A482] (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.
Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit [A483] herauszuarbeiten. Er hat sie sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun.
Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich. Denn da werden sich immer einige Selbstdenkende, sogar unter den eingesetzten Vormündern des großen Haufens finden, welche, nachdem sie das Joch der Unmündigkeit selbst abgeworfen haben, den Geist einer vernünftigen Schätzung des eigenen Werts und des Berufs jedes Menschen, selbst zu denken, um sich verbreiten werden. Besonders ist hiebei: daß das Publikum, welches zuvor von ihnen unter dieses Joch gebracht worden, sie hernach selbst zwingt, darunter zu bleiben, wenn es von einigen seiner Vormünder, die selbst aller Aufklärung unfähig sind, dazu aufgewiegelt [A484] worden; so schädlich ist es, Vorurteile zu pflanzen, weil sie sich zuletzt an denen selbst rächen, die oder deren Vorgänger ihre Urheber gewesen sind. Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotism und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden, ebensowohl als die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.
Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: Räsonniert nicht! Der Offizier sagt: Räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: Räsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: Räsonniert nicht, sondern glaubt! (Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: Räsonniert, soviel ihr wollt und worüber ihr wollt, aber gehorcht!) Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich, welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte: Der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande [A485] bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonderlich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht. Den Privatgebrauch nenne ich denjenigen, den er in einem gewissen ihm anvertrauten bürgerlichen Posten oder Amte von seiner Vernunft machen darf. Nun ist zu manchen Geschäften, die in das Interesse des gemeinen Wesens laufen, ein gewisser Mechanism notwendig, vermittelst dessen einige Glieder des gemeinen Wesens sich bloß passiv verhalten müssen, um durch eine künstliche Einhelligkeit von der Regierung zu öffentlichen Zwecken gerichtet oder wenigstens von der Zerstörung dieser Zwecke abgehalten zu werden. Hier ist es nun freilich nicht erlaubt zu räsonnieren; sondern man muß gehorchen. Sofern sich aber dieser Teil der Maschine zugleich als Glied eines ganzen gemeinen Wesens, ja sogar der Weltbürgergesellschaft ansieht, mithin in der Qualität eines Gelehrten, der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet, kann er allerdings räsonnieren, ohne daß dadurch die Geschäfte leiden, zu denen er zum Teile als passives Glied angesetzt ist. So würde es sehr verderblich sein, wenn ein Offizier, dem von seinen Oberen etwas anbefohlen wird, im Dienste [A486] über die Zweckmäßigkeit oder Nützlichkeit dieses Befehls laut vernünfteln wollte; er muß gehorchen. Es kann ihm aber billigermaßen nicht verwehrt werden, als Gelehrter über die Fehler im Kriegesdienste Anmerkungen zu machen und diese seinem Publikum zur Beurteilung vorzulegen. Der Bürger kann sich nicht weigern, die ihm auferlegten Abgaben zu leisten; sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal, (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte), bestraft werden. Ebenderselbe handelt demohngeachtet der Pflicht eines Bürgers nicht entgegen, wenn er als Gelehrter wider die Unschicklichkeit oder auch Ungerechtigkeit solcher Ausschreibungen öffentlich seine Gedanken äußert. Ebenso ist ein Geistlicher verbunden, seinen Katechismusschülern und seiner Gemeine nach dem Symbol der Kirche, der er dient, seinen Vortrag zu tun, denn er ist auf diese Bedingung angenommen worden. Aber als Gelehrter hat er volle Freiheit, ja sogar den Beruf dazu, alle seine sorgfältig geprüften und wohlmeinenden Gedanken über das Fehlerhafte in jenem Symbol und Vorschläge wegen besserer Einrichtung des Religions- und Kirchenwesens dem Publikum mitzuteilen. Es ist hiebei auch nichts, was dem Gewissen zur Last gelegt werden könnte. Denn was er zufolge seines Amts als Geschäftträger der Kirche lehrt, das stellt er als etwas vor, in Ansehung [A487] dessen er nicht freie Gewalt hat, nach eigenem Gutdünken zu lehren, sondern das er nach Vorschrift und im Namen eines andern vorzutragen angestellt ist. Er wird sagen: unsere Kirche lehrt dieses oder jenes; das sind die Beweisgründe, deren sie sich bedient. Er zieht alsdann allen praktischen Nutzen für seine Gemeinde aus Satzungen, die er selbst nicht mit voller Überzeugung unterschreiben würde, zu deren Vortrag er sich gleichwohl anheischig machen kann, weil es doch nicht ganz unmöglich ist, daß darin Wahrheit verborgen läge, auf alle Fälle aber wenigstens doch nichts der innern Religion Widersprechendes darin angetroffen wird. Denn glaubte er das letztere darin zu finden, so würde er sein Amt mit Gewissen nicht verwalten können; er müßte es niederlegen. Der Gebrauch also, den ein angestellter Lehrer von seiner Vernunft vor seiner Gemeinde macht, ist bloß ein Privatgebrauch, weil diese immer nur eine häusliche, obzwar noch so große Versammlung ist; und in Ansehung dessen ist er als Priester nicht frei und darf es auch nicht sein, weil er einen fremden Auftrag ausrichtet. Dagegen als Gelehrter, der durch Schriften zum eigentlichen Publikum, nämlich der Welt spricht, mithin der Geistliche im öffentlichen Gebrauche seiner Vernunft, genießt einer uneingeschränkten Freiheit, sich seiner eigenen Vernunft zu bedienen und in seiner eigenen Person zu sprechen. Denn daß die Vormünder des Volks [A488] (in geistlichen Dingen) selbst wieder unmündig sein sollen, ist eine Ungereimtheit, die auf Verewigung der Ungereimtheiten hinausläuft.
Aber sollte nicht eine Gesellschaft von Geistlichen, etwa eine Kirchenversammlung oder eine ehrwürdige Classis (wie sie sich unter den Holländern selbst nennt), berechtigt sein, sich eidlich auf ein gewisses unveränderliches Symbol zu verpflichten, um so eine unaufhörliche Obervormundschaft über jedes ihrer Glieder und vermittelst ihrer über das Volk zu führen und diese so gar zu verewigen? Ich sage: das ist ganz unmöglich. Ein solcher Kontrakt, der auf immer alle weitere Aufklärung vom Menschengeschlechte abzuhalten geschlossen würde, ist schlechterdings null und nichtig; und sollte er auch durch die oberste Gewalt, durch Reichstage und die feierlichsten Friedensschlüsse bestätigt sein. Ein Zeitalter kann sich nicht verbünden und darauf verschwören, das folgende in einen Zustand zu setzen, darin es ihm unmöglich werden muß, seine (vornehmlich so sehr angelegentliche) Erkenntnisse zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiterzuschreiten. Das wäre ein Verbrechen wider die menschliche Natur, deren ursprüngliche Bestimmung gerade in diesem Fortschreiten besteht; und die Nachkommen sind also vollkommen dazu berechtigt, jene Beschlüsse, als unbefugter und frevelhafter Weise genommen, zu verwerfen. Der Probierstein [A489] alles dessen, was über ein Volk als Gesetz beschlossen werden kann, liegt in der Frage: ob ein Volk sich selbst wohl ein solches Gesetz auferlegen könnte? Nun wäre dieses wohl, gleichsam in der Erwartung eines bessern, auf eine bestimmte kurze Zeit möglich, um eine gewisse Ordnung einzuführen: indem man es zugleich jedem der Bürger, vornehmlich dem Geistlichen, frei ließe, in der Qualität eines Gelehrten öffentlich, d. i. durch Schriften, über das Fehlerhafte der dermaligen Einrichtung seine Anmerkungen zu machen, indessen die eingeführte Ordnung noch immer fortdauerte, bis die Einsicht in die Beschaffenheit dieser Sachen öffentlich so weit gekommen und bewähret worden, daß sie durch Vereinigung ihrer Stimmen (wenngleich nicht aller) einen Vorschlag vor den Thron bringen könnte, um diejenigen Gemeinden in Schutz zu nehmen, die sich etwa nach ihren Begriffen der besseren Einsicht zu einer veränderten Religionseinrichtung geeinigt hätten, ohne doch diejenigen zu hindern, die es beim alten wollten bewenden lassen. Aber auf eine beharrliche, von niemanden öffentlich zu bezweifelnde Religionsverfassung auch nur binnen der Lebensdauer eines Menschen sich zu einigen, und dadurch einen Zeitraum in dem Fortgange der Menschheit zur Verbesserung gleichsam zu vernichten und fruchtlos, dadurch aber wohl gar der Nachkommenschaft nachteilig zu machen ist schlechterdings unerlaubt. Ein Mensch kann zwar für seine Person [A490] und auch alsdann nur auf einige Zeit in dem, was ihm zu wissen obliegt, die Aufklärung aufschieben; aber auf sie Verzicht zu tun, es sei für seine Person, mehr aber noch für die Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit verletzen und mit Füßen treten. Was aber nicht einmal ein Volk über sich selbst beschließen darf, das darf noch weniger ein Monarch über das Volk beschließen; denn sein gesetzgebendes Ansehen beruht eben darauf, daß er den gesamten Volkswillen in dem seinigen vereinigt. Wenn er nur darauf sieht, daß alle wahre oder vermeinte Verbesserung mit der bürgerlichen Ordnung zusammenbestehe, so kann er seine Untertanen übrigens nur selbst machen lassen, was sie um ihres Seelenheils willen zu tun nötig finden; das geht ihn nichts an, wohl aber zu verhüten, daß nicht einer den andern gewalttätig hindere, an der Bestimmung und Beförderung desselben nach allem seinen Vermögen zu arbeiten. Es tut selbst seiner Majestät Abbruch, wenn er sich hierin mischt, indem er die Schriften, wodurch seine Untertanen ihre Einsichten ins reine zu bringen suchen, seiner Regierungsaufsicht würdigt, sowohl wenn er dieses aus eigener höchsten Einsicht tut, wo er sich dem Vorwurfe aussetzt: Caesar non est supra grammaticos, als auch und noch weit mehr, wenn er seine oberste Gewalt soweit erniedrigt, den geistlichen Despotism einiger Tyrannen [A491] in seinem Staate gegen seine übrigen Untertanen zu unterstützen.
Wenn denn nun gefragt wird: leben wir jetzt in einem aufgeklärten Zeitalter? so ist die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung. Daß die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im ganzen genommen, schon imstande wären oder darin auch nur gesetzt werden könnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel. Allein, daß jetzt ihnen doch das Feld geöffnet wird, sich dahin frei zu bearbeiten und die Hindernisse der allgemeinen Aufklärung oder des Ausganges aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit allmählich weniger werden, davon haben wir doch deutliche Anzeigen. In diesem Betracht ist dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklärung oder das Jahrhundert FRIEDERICHS.
Ein Fürst, der es seiner nicht unwürdig findet zu sagen, daß er es für Pflicht halte, in Religionsdingen den Menschen nichts vorzuschreiben, sondern ihnen darin volle Freiheit zu lassen, der also selbst den hochmütigen Namen der Toleranz von sich ablehnt, ist selbst aufgeklärt und verdient von der dankbaren Welt und Nachwelt als derjenige gepriesen zu werden, der zuerst das menschliche Geschlecht der Unmündigkeit, wenigsten von seiten der Regierung, entschlug und jedem frei ließ, sich [A492] in allem, was Gewissensangelegenheit ist, seiner eigenen Vernunft zu bedienen. Unter ihm dürfen verehrungswürdige Geistliche, unbeschadet ihrer Amtspflicht, ihre vom angenommenen Symbol hier oder da abweichenden Urteile und Einsichten in der Qualität der Gelehrten frei und öffentlich der Welt zur Prüfung darlegen; noch mehr aber jeder andere, der durch keine Amtspflicht eingeschränkt ist. Dieser Geist der Freiheit breitet sich auch außerhalb aus, selbst da, wo er mit äußeren Hindernissen einer sich selbst mißverstehenden Regierung zu ringen hat. Denn es leuchtet dieser doch ein Beispiel vor, daß bei Freiheit für die öffentliche Ruhe und Einigkeit des gemeinen Wesens nicht das mindeste zu besorgen sei. Die Menschen arbeiten sich von selbst nach und nach aus der Rohigkeit heraus, wenn man nur nicht absichtlich künstelt, um sie darin zu erhalten.
Ich habe den Hauptpunkt der Aufklärung, d. i. des Ausganges der Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit, vorzüglich in Religionssachen gesetzt, weil in Ansehung der Künste und Wissenschaften unsere Beherrscher kein Interesse haben, den Vormund über ihre Untertanen zu spielen, überdem auch jene Unmündigkeit, so wie die schädlichste, also auch die entehrendste unter allen ist. Aber die Denkungsart eines Staatsoberhaupts, der die erstere begünstigt, geht noch weiter und sieht ein: daß selbst in Ansehung seiner Gesetzgebung [A493] es ohne Gefahr sei, seinen Untertanen zu erlauben, von ihrer eigenen Vernunft öffentlichen Gebrauch zu machen und ihre Gedanken über eine bessere Abfassung derselben, sogar mit einer freimütigen Kritik der schon gegebenen, der Welt öffentlich vorzulegen; davon wir ein glänzendes Beispiel haben, wodurch noch kein Monarch demjenigen vorging, welchen wir verehren.
Aber auch nur derjenige, der, selbst aufgeklärt, sich nicht vor Schatten fürchtet, zugleich aber ein wohldiszipliniertes zahlreiches Heer zum Bürgen der öffentlichen Ruhe zur Hand hat, – kann das sagen, was ein Freistaat nicht wagen darf: Räsonniert, soviel ihr wollt, und worüber ihr wollt; nur gehorcht! So zeigt sich hier ein befremdlicher, nicht erwarteter Gang menschlicher Dinge; sowie auch sonst, wenn man ihn im großen betrachtet, darin fast alles paradox ist. Ein größerer Grad bürgerlicher Freiheit scheint der Freiheit des Geistes des Volks vorteilhaft und setzt ihr doch unübersteigliche Schranken; ein Grad weniger von jener verschafft hingegen diesem Raum, sich nach allem seinen Vermögen auszubreiten. Wenn denn die Natur unter dieser harten Hülle den Keim, für den sie am zärtlichsten sorgt, nämlich den Hang und Beruf zum freien Denken, ausgewickelt hat: so wirkt dieser allmählich zurück auf die Sinnesart des Volks, (wodurch dies der Freiheit zu handeln [A494] nach und nach fähiger wird), und endlich auch sogar auf die Grundsätze der Regierung, die es ihr selbst zuträglich findet, den Menschen, der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln.¹"



Königsberg in Preußen, den 30. Septemb. 1784.               I. Kant.
https://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm


Fürbitten 6.7. dass unser Herz zur Ruhe kommt..Mt.11.25

6.7.2014 14.Sonntag JK, Mt.11.25
lernt von mir, denn ich bin gütig und selbstlos,so werdet ihr in eurem Herzen Ruhe finden
Ja, wenn man sich das KAUFEN könnte: ein ruhiges Herz! manchmal glaube ich,die Hälfte aller Probleme liegen in diesem Herzen: Bitten wir heute –

um ein leichtes Herz dass unser Vertrauen größer ist als unsere Ängste und Sorgen,

um ein offenes Herz – dass wir hinhören können auf das, was Andere bdrückt

um ein weites Herz – dass wir das Anders-sein der Anderen akzeptieren

um ein großes Herz – dass wir die Welt mit in unser Beten und Sorgen nehmen

bitten wir um ein Herz, das nicht bitter ist: dass wir nicht angerührt und nachtragend sind,dass wir mit Kränkungen besser fertig werden und wirklich vergessen können

bitten wir um ein Herz, das nicht zerrissen ist: dass wir uns das Leben nicht schwer machen mit unnötigen Grübeleien, quälerischen Selbstgesprächen und Skrupeln

es gibt auch ein zerbrochenes Herz,wir wissen es: bitten wir für alle, die Schweres durchmachen, die verzweifelt sind, wo eine Partnerschaften zerbrochen ist oder jemand glaubt,über den Tod eines Menschen nicht hinwegkommen zu können

bitten wir vor allem auch um ein lebendiges Herz, voll Dankbarkeit und Freude über jeden Tag, dass wir annehmen können „gütig und selbstlos“ wie es Jesus sagt

So geben wir unser Herz in deine Hand, guter Gott. Manchmal schlägt es so aufgeregt - 
DU bist es , der uns zur ruhe kommen lässt! Dafür danken wir dir, durch IHN, Christus unseren Herren und Bruder. Amen

PS in eigener Sache: weil ich Rückmeldungen bekomme, dass es nicht möglich ist 
hier im blog einen Kommentar einzugeben, bitte - bei Bedarf - an  ilse.oberhofer@aon.at, ich freue mich!

Freitag, 4. Juli 2014

Fürbitten 5.7 "Neu im Sortiment" Mt.9.14

5.7.2014 Mt.9.14 Neuer Wein gehört in neue Schläuche

"Neuer Wein gehört in neue Schläuche", sagt Jesus. Nichts muss bleiben, wie es ist, immer kann alles NEU werden, können wir NEU anfangen,können wir Anders sein, als bisher! 
Einfach einmal "Neues ins Sortiment" unserer Lebensgewohnheiten aufnehmen, das wär doch was! So bitten wir heute

dass wir neu anfangen
Wenn wir 100 Ausreden wissen und lieber alles beim Alten lassen wollen

dass wir neu anfangen
wenn wir uns und Anderen oft so wenig zutrauen und kein Risiko eingehen wollen.

Dass wir neu anfangen
wenn das Herz schwer ist, weil wir nie das Perfekte schaffen und alles Stückwerk bleibt,

dass wir neu anfangen
wenn wir glauben, eine Krankheit, eine Krise, eine Situation nicht ertragen zu können

dass wir neu anfangen
dort wo die Begeisterung nachgelassen hat,wo Arbeit langweilig geworden ist

dass wir neu anfangen
wenn Beziehungen eingeschlafen sind, wenn wir glauben, dass bei Anderen Hopfen und Malz verloren ist

dass wir neu anfangen
vor allem immer dann wenn wir glauben: „ICH bin halt wie ICH bin, und da kann man auch nichts mehr ändern“ - dann ÄNDERE DU UNS

So bitten wir dich guter Gott, gib uns immer wieder Kraft und Mut, neu anzufangen. Krempel uns um, mach uns lebendig, auch wenn es manchmal weh tut. Im Vertrauen auf Jesus suchen wir unseren Weg und deinen Willen. Amen

Donnerstag, 3. Juli 2014

Olalla - noch einmal: P Albert und "AUFBRECHEN"

zur Erinnerung:  Olalla - heißt dieser blog ein bißchen "reißerisch" wegen der 1.Geschichte über Olalla Oliveros - eine junge Spanierin, Model, die sich entschlossen hat, ins Kloster zu gehen. Mit ihrer Geschichte begann ich die "Geschichte MEINER geistlichen Freunde". "Geistlich" - das soll nichts anderes heißen als: klar, bewußt, kritisch, anteilnehmend, sozial,suchend...
http://anschnallenoderloslassen.blogspot.co.at/search/label/olalla%20-%20meine%20geistlichen%20Freunde
 

                                                          Pater Albert Gabriel SDS
Ohne ihn zu kennen - und ohne dass er mich kennt - mailte ich einfach drauflos:
"Sehr geehrter P.Albert ...SIE sind mir im letzten SDS Heft "entgegengehupft": nicht nur das dynamische Foto: auch die Tatsache, dass jemand von heut auf morgen sich wieder woanders hin aufmacht ..neu anfängt, so Vieles zurücklässt: das beeindruckt mich sehr - dazu kommt ihr Engagement in der Pfarrerinitiative...wäre es für sie denkbar, MIR etwas zu schreiben?  Thema "aufbrechen" privat und in der Kirche"
Reaktion?
1. mail kam zurück, Empfänger unbekannt
2. ich gebe aber nicht auf, schreibe jetzt einfach an die mail Adresse der Pfarre
3. ich denke mir, da kriegst eh nie eine Antwort, Dienstag am 1.Juli war das 14.30
4. HEUTE 3.Juli die totale Überraschung, ein mail der Pfarre
    "Anbei der Beitrag von P. Albert. Da er keinen PC hat und sich damit auch nicht auskennt bittet er Sie den Beitrag selbst ins Internet zu stellen."

HANDGESCHRIEBEN!!!!!
 zwei Seiten, PS "Bitte eigenhändig korrigieren, verbessern, eintippen!"

Und das ist P.Alberts Beitrag zu meiner Frage "Aufbrechen"?  
 
Graz 1.Juli 2014

Liebe Frau Oberhofer!
Na ja, wenn sie meinen,dann schreib ich halt was!

Wir können „schmalspurig“ und auf den „sicheren“ Gleisen des Faßbaren, des Vernünftigen, des Beweisbaren leben oder uns auf die Weite des Wahren, des Guten und des Schönen einlassen. Beim Ersteren dürfen wir uns nicht wundern, wenn unser Leben eng ( -Angst) wird, sich ein Grundton von Unzufriedenheit und Raunzerei einstellt.
Die zweite Möglichkeit erfordert Mut, Neugierde („was hinter den Bergen haust“) und Abenteuerlust, macht aber das Leben spannend und lustvoll.Der Bauplan der Welt und von uns Menschen ist kein statischer Entwurf, sondern ein dynamisch sich-Bewegender. Wir sind im Bauplan („in der Wahrheit“), wenn wir immer wieder Mut zum Aufbrechen haben.


Das war bei Abraham so, als er im hohen Alter Abschied nahm von der spektakulären Religion der babylonischen Türme und in die Unsicherheit der Steppe zog, um seinen Gott ohne Tamtam nahe zu sein. Er wurde so Stammvater von 3 Weltreligionen.

Das erlebte ich, als ich mit 40 Jahren den Ruf zu den UNO Soldaten auf den Golanhöhen als Militärpfarrer folgte. Fast in der Steppe – erlebte ich ein hohes Maß an Freundschaft, Freude und Religiosität der Männer. Das einfache Leben dort, die viele Zeit der Stille beim Wachdienst in der Nacht, die herzliche Kameradschaft waren beste Voraussetzungen für viel Feiern, Lachen und Religion.

Eine meiner besten Entscheidungen war, als ich mit 77 Jahren nochmals einen Aufbruch wagte, als ich von der geliebten Donaucity-Kirche weg dem Ruf der Salvatorpfarre in Graz folgte. Mein kleiner KIA konnte alles fassen, was ich beim Umzug brauchte.

Ein einfacher Lebensstil ohne viel Besitz schafft enorme Freiheit und Sorglosigkeit.
Und ich vertraue, dass diese Armut und diese Freiheit mir auch helfen wird, wenn der große Ruf kommt, aus der Enge dieser Welt in die Unendlichkeit Gottes einzutauchen.  
Der Tod ist der größte Aufbruch, der gewaltigste, aber auch schmerzhafteste Aufbruch. Im Loslassen und Aufbrechen kann ich mich einüben auf die Welt des Unfassbaren.

Ein Schimmer des Unfaßbaren wird mir schon jetzt zuteil
mit herzlichen Grüßen P.Albert


Wie ich mich kenne, werde ich "nachfragen" wollen:
der Aufbruch Abrahams, weg von der sicheren etablierten Religion der "babylonischen Türme", wäre das nicht auch die Wanderkarte für die Kirche HEUTE - MORGEN. 
Heraus, weg aus den alten Strukturen - hinein in etwas ganz Neues ....aufbrechen...
das Sichere hinter sich lassen, auf das Unbekannte zugehen ...
P.Albert ist Mitglied der "aufmüpfigen" Pfarrerinitiative, er hat da sicher seine Vorstellungen


PS. Aus der Antrittspredigt von P.Albert in seiner Grazer Pfarre:




Liebe Salvatorpfarre
„und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ (Hermann Hesse).
...so hoffe ich, dass wir zusammen wieder einmal was Neues anfangen können. Für mich als 77ig Jährigen ist es ja nicht ganz gescheit, nochmalswas Neues, die Salvatorpfarre, anzufangen. Aber zwei Gründe haben mich bewogen, mich aus dem guten Nest in der Wiener Donaucitykirche für die Grazer Salvatorpfarre zu melden. Erstens traf es mich sehr hart, als es hieß: wir Salvatorianer müssen aus Personalmangel die Grazer Pfarre aufgeben. Meldet sich denn niemand für Graz? Zweitens habe ich von meinen ersten Priesterjahren vor 40 – 50 Jahren starke emotionelle Bindungen...Damals sah ich in Graz Nord diese gute Pfarre entstehen – und den Kirchenbau. Viele schöne abenteuerliche Erlebnisse sind für mich mit Graz verbunden. Vielleicht wird die Salvatorpfarre mein letztes Abenteuer vor der Einfahrt in den ewigen Heimathafen. Über eine freundliche Aufnahme würde sich sehr freuen
                                            

und noch etwas : nach dem Beitrag frage ich meine bloggerInnen: gibt es Gedanken, ein Gebet, ein Mantra, ein Gedicht, - das für sie hilfreich ist, das man immer wieder hervorholt 

Pater Albert:  zwei Lieblingsgebete

Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.
Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.
Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges bewahre.
Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige niemals verliere.
(dem hl. Augustinus zugeschrieben)
 
     "Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. 
      Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führt zu Dir. 
      Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu Eigen Dir."

                                                 Nikolaus von der Flüe


PS in eigener Sache: weil ich Rückmeldungen bekomme, dass es nicht möglich ist 
hier im blog einen Kommentar einzugeben, bitte - bei Bedarf - an  ilse.oberhofer@aon.at, ich freue mich!


Olalla - P.Albert, Gründer von "Gruft" und "Ganslwirt" - und HEUTE?????

In den Ordensnachrichten der Salvatorianerpatres (noch sehr konventionell gemacht)
HUPFT mir ein Foto entgegen, das so dynamisch ist, dass ich einfach weiter LESEN muss.
P.Albert Gabriel, eigentlich schon im Pensionsalter - dennoch äußerst beliebter Pfarrer der Donaucitykirche in Wien -  entschließt sich spontan, in Graz die Salvatorpfarre zu übernehmen, der Pfarrer dort ist aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen.

P.Albert Gabriel SDS - PLÖTZLICH erinnert sich die Journalistin in mir!!!!!
Das ist doch DER, der gemeinsam mit seinen Schülern des Ammerling-Gymnasiums die bekannteste Obdachloseneinrichtung Wiens, nämlich die Gruft gegründet hat. 1986 war das!

Die Gruft unter der Mariahilfer Kirche war ursprünglich ein Pestfriedhof. Sie bietet heute Wohnungslosen ein warmes Essen, eine Übernachtungsmöglichkeit mit 120 Schlafplätzen, saubere Kleidung und eine Duschgelegenheit. Seit 1996 ist die Gruft ein Projekt der Caritas.Inzwischen gibt es auch einen zweiten Gruft-Ableger - denn der "Bedarf" steigt, ein trauriges Zeichen für unsere
Gesellschaft.
Der Salvatorianerpater, damals auch Pfarrer der Kirche Mariahilf in Wien, war aber nicht nur Mitbegründer der Gruft, sondern auch Initiator der Sozialeinrichtung „Ganslwirt". Beide Institutionen zählen heute als Mustereinrichtungen im Sozialbereich.

 „Wien braucht Menschen die Hinschauen und nicht Wegschauen", sagte Stadträtin Wehsely im April 2013, als P.Albert im Rathaus mit der Julius-Tandler-Medaille in Bronze geehrt wurde - als Anerkennung für seine sozialen Leistungen.

Aber vermutlich auch typisch für P.Albert: in seiner Dankrede kritisierte er trotzdem den Mann, dem er seine Medaille verdankt. Julius Tandler - er könne nämlich dessen Haltung gegenüber der Euthanasie in den 30er Jahren absolut nicht teilen. Allerdings sei er, P.Albert,  Altbürgermeister Zilk sehr dankbar, denn dieser habe sein soziales Engagement beim Aufbau der Gruft maßgeblich unterstützt. Besonders dankte der Pater seiner damaligen Klasse des Ammerling-Gymnasiums, die ihm tatkräftig beim Aufbau der Gruft zur Seite stand. Eine Schülerin aus dieser Klasse, 
Susanne Peter, der so genannte "Engel aus der Gruft", ist bis heute in der Gruft als Sozialarbeiterin tätig.

P. Albert, der vor 2 Jahren sein goldenes Priesterjubiläum feierte, war  Präfekt in Graz, Kaplan in Wien Favoriten, Militärseelsorger auf den Golanhöhen ,Pfarrer in Wien-Mariahilf, in der Donaucitykirche in Kaisermühlen (mit einer bunt durchmischten Gemeinde) und JETZT - mit
77 Jahren (siebenundsiebzig!!!!) Pfarrer in Graz. 

Ja, eigentlich beginnt hier erst, WAS ich wirklich über ihn schreiben wollte.Ich kenne ihn persönlich überhaupt nicht - keine Rede von "geistlicher Freund" - es war NUR das Foto in den Ordensnachrichten, das mich so neugierig gemacht hat ...so neugierig,dass ich einfach wissen wollte:
WAS TREIBT SO EINEN MENSCHEN IMMER WIEDER ZUM AUFBRUCH

Also folgt Teil II


Fürbitten 4.6. Wenn wir uns selbst krank machen.....


4.7.2014 Mt.9.9 nicht die Gesunden,die Kranken brauchen den Arzt
               Amos 8,4 wie sehr wollt ihr noch betrügen, vefolgen und unterdrücken

Eigentlich drängt sich heute direkt eine gemeinsame Überschrift für die Lesung aus dem Buch Amos und für die Evangeliumsstelle bei Matthäus auf. Macht Schluss mit dem Kapitalismus. Der Kapitalismus macht euch krank Der Kapitalismus ist tödlich – für diesen Satz ist Papst Franziskus von vielen Kommentatoren heftig angegriffen worden. Eine ungerechtfertigte Kritik an unserem Gesellschaftssystem sei das. Nein, wenn wir mit den Augen Jesu schauen und mit den Augen des Propheten Amos, schon 700 Jahre vor Jesus, dann sehen wir nur zu deutlich, was uns krank macht. Bitten wir heute

dass wenigstens wir als Christen uns bemühen einfacher zu leben

dass die Gier nach dem immer mehr haben müssen aufhört

dass wir niemand übervorteilen und betrügen

dass wir nicht aus allem unseren Nutzen ziehen wollen

das wir nicht glauben, mit Geld alles kaufen zu können

dass wir nicht haben müssen, was alle haben

dass auch die Kirche und die Orden Wege finden, Armut glaubwürdig zu leben

dass wir nicht so viel Angst davor haben, im Leben zu kurz zu kommen

dass wir -ganz banal - gleich heute wieder einmal Unnötiges aussortieren

„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ sagt Jesus im Evangelium. 
Wir sind krank geworden an unserer Gesellschaft, die uns bequem und hungrig gemacht hat. Hungrig nach Dingen, die wir gar nicht brauchen. Du guter Gott, gib uns Hunger nach dem, was unsere Seelen satt und gesund macht – hilf uns loszulassen, was uns nicht gut tut – lass uns statt dessen Gutes tun, im Namen Jesu unseres Bruders.Amen

Ilselein, hab ich nicht GUTES Zeugnis...hab ich

Ayla ruft an, ist schon ein paar Tage her, letzter Schultag
„Ilselein, Zeugnis...
und Iselein fällt ihr gleich ins Wort
„Ayla ich freu mich so …. du hast ein gutes Zeugnis.........“
Ayla: „Ilselein.... neiiiiiiiiiiiin...hab ich nicht gutes Zeugnis“
„Ach Gott Ayla, das gibt es ja gar nicht, du hast doch so gute Schularbeitsnoten gehabt
du musst doch ein gutes Zeugnis haben ….......“
Verzweiflungsstimme Ayla: „Ilselein …........neiiiiiiiin..hab ich nicht.....“
Ilse: „Ayla, das kann gar nicht so schlimm sein, wo immer du Probleme hast, da lernen wir wieder“
Ayla: brüllt ins Telefon
„Ilselein musst du hören was ….........“
„Ja ich hör eh...“
Ilselein hab ich „NICHT GUTES ZEUGNIS – HAB ICH SEHR GUTES ZEUGNIS“

Fast lauter 1er – aber die wirkliche Sensation ist Mathematik: ein GUT
von so etwas hat Ayla in der Volksschule nicht einmal träumen können …
lauter 1er, nur in Geo ein 2er
naja und DEUTSCH???????

Ayla bissi kleinlaut: Iselein da hab ich 3
"Ja wieso denn das? Du kannst doch so gut Rechtschreiben und deine Aufsätze waren immer gut
na ja , reden tust noch immer kauderwelsch"

Ilselein ist wegen Vergangenheit-MIT
?????
Vergangenheit MIT???  ach du meine Güte
"Die Mitvergangenheit kannst du nicht gut?"
"Ja verstehe ich nicht so gut Vergangenheit MIT"
"Ayla liest du noch brav? Dann wäre das doch einfach"
"Ja Ileslein, lese ich immer – aber ist nicht DRINNEN" (die Mitvergangenheit)

so abgemacht, in den sommerferien lernen wir MIT-Vergangenheit
und HEUTE kommt Ayla das Zeugnis PERSÖNLICH präsentieren
der brave Papa bringt sie
noch immerläßt man sie nicht unbehütet fahren – das muss sich auch noch ändern


PS in eigener Sache: weil ich Rückmeldungen bekomme, dass es nicht möglich ist 
hier im blog einen Kommentar einzugeben, bitte - bei Bedarf - an  ilse.oberhofer@aon.at, ich freue mich!

gleich damit beginnen...

                                                              Foto Irmgard Czerny

"Lass dich nicht durch das,
was du nicht tun kannst,
von dem abhalten,
was du tun kannst! "

Afrikanischer Spruch

Mittwoch, 2. Juli 2014

SOS Ebola

                                                        Foto AP  orf.at
                                           http://orf.at/stories/2236333/2236347/

Verharmlosung eines tödlichen Virus

Im größten Krankenhaus von Conakry herrscht Empörung. „Sie haben solche Lügen verbreitet: Ebola sei unter Kontrolle, Ebola sei Vergangenheit“, sagt Alphadio, der als Arzt an der Donka-Klinik in der Hauptstadt des westafrikanischen Guinea arbeitet. Wegen solcher Äußerungen trügen Regierung und Behörden des Landes eine Mitschuld.
„Durch Verschulden unserer Regierung, ob sie das will oder nicht, hat sich die Krankheit ins Innere des Landes ausgebreitet“, sagt Alphadio, der nur seinen Vornamen nennen will. „Sie haben solche Lügen verbreitet, dass unsere Partner und sogar die Bevölkerung irgendwann die Hände in den Schoß legten. Und das ist nun das Ergebnis: Die Epidemie verbreitet sich überall im Land.“

„Der ganze Lärm um Ebola“

Sein Kollege Kankou Marah pflichtet ihm bei: „Wir wissen heute alle, dass die Regierung ihre Interessen wahrt und vermeidet, der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen, um die Investoren nicht zu vertreiben.“ Auch ein Religionsoberhaupt im muslimischen Guinea übt Kritik: Imam Thierno Ousmane Camara fordert „vom Präsidenten, diese Krankheit, die leider weiterhin Familien unglücklich macht, nicht zu verharmlosen“.
Anfang April hatte Guineas Präsident Alpha Conde am Sitz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf gesagt: „Im Moment ist die Situation unter Kontrolle, und wir klopfen auf Holz, dass es keine neuen Fälle gibt.“ Bis dahin war die Zahl der Todesopfer im Land bei unter hundert. Einige Tage später begrüßte Conde die Staatschefs der Region bei einem Treffen in Conakry mit den Worten, er sei dankbar für ihr Kommen „trotz des ganzen Lärms um Ebola“.

Ärzte ohne Grenzen: Lage „außer Kontrolle“

Dieser „Lärm“ kommt vor allem von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die seit Ausbruch der Epidemie in der Region aktiv ist. Ende Juni teilte Ärzte ohne Grenzen mit, die Situation gerate mit 60 Krankheitsherden in Guinea „außer Kontrolle“. Als Reaktion darauf kritisierte Conde das Verhalten von Ärzte ohne Grenzen und anderern internationalen Organisationen in dem Land als „nicht immer perfekt“.
Nach Beobachtungen von Journalisten der Nachrichtenagentur AFP gibt es in Conakry inzwischen keine Aufklärungskampagne mehr, weder über Radio oder Fernsehen noch auf den Straßen. Auf den Bahnhöfen, im Hafen und auf dem Flughafen sind Kontrollen auf ein Minimum beschränkt.

„Kein Budget“ für Aufklärung

Auch im benachbarten Liberia empören sich Bürger: „Was macht der Gesundheitsminister, um die Bevölkerung zu sensibilisieren, die mehrheitlich Analphabeten sind? Nichts!“, sagt die 38-jährige Chefsekretärin Magdel Sneh in der Hauptstadt Monrovia. Wie in Conakry gibt es auch hier keine Aufklärung: „Wir haben kein Budget für riesige Sensibilisierungskampagnen“, sagte ein Mitarbeiter des Gesundheitssystems, der anonym bleiben wollte.
In New Kru Town, größter Ebola-Herd Liberias, sagt der Einwohner Peter Jleh: „Wir sind Afrikaner, wir sind es gewohnt, in der Gemeinschaft zu leben, und wir werden weiterhin gemeinschaftlich leben und uns die Hände schütteln.“
Mouctar Bah und Zoom Dosso, AFP
 http://orf.at/stories/2236333/2236347/

Magnifikat - Gott will alles neu machen

Magnifikat

Magnificat anima mea
Dominum,
et exsultavit spiritus meus
in Deo salutari meo.
 
Meine Seele preist die Größe des Herrn
Meine Gedanken sind voll Dank für die Nähe Gottes
Meine Glieder bewegen sich im Rhythmus des Himmels
Mein Herz überströmt von Jubel und Freude
Meine Lippen können nicht schweigen
Gott will alles neu machen
Ich bin gerufen und gesandt
Ich bin erwählt und ausgesucht
als Werkzeug des Friedens
Die ganze Welt soll jubeln
Alle Menschen sollen essen und trinken
Alle Völker sollen sich vereinen zum Fest
Gott will alles neu machen
Wir sind gerufen und gesandt
Wir sind erwählt und ausgesucht
als Werkzeug des Friedens

Anton Rotzetter
2.Juli "Maria Heimsuchung"

Fürbitten 3.6. der "ungläubige" Thomas

3.7.2014 Hl.Thomas
Den ungläubigen Thomas kennen alle. Er ist der eine der Apostel, der zunächst nicht an die Auferstehung Jesu glaubt. Später wird er bekennen „Mein Herr und mein Gott“
Wie ist das mit dem Glauben? WIR sind in unseren Glauben so gut wie hineingeboren – vielleicht wäre es manchmal gar nicht schlecht, ehrlich in sich hinein zu horchen und sich immer wieder selbst zu befragen: WAS glaube ich, WARUM glaube ich, WAS bedeutet mir Jesus – Gibt es ein inneres Erleben, das in mir Gewissheit auslöst – jenseits aller Schulbuchreligion?  bitten wir heute

für alle, die nicht von Klein auf Zugang zum Glauben finden

für alle die glauben wollen und doch immer wieder zweifeln

für alle, die Anderen den Weg zum Glauben schwer machen

für alle, deren Glauben erstarrt ist oder an fixen Vorstellungen hängt

für alle, die auf vielen unterschiedlichen Wegen Gott suchen

für alle, die auf ihren Glauben ihr Leben setzen und einsetzen

für uns alle, damit uns unser Glauben nicht ängstlich sondern lebensfroh und dankbar macht

So bitten wir dich guter Gott, dass wir Tag für Tag wieder UNSERE Begegnung mit Jesus suchen - denn dort beginnt unsere Auferstehung. Unser Leben in DIR. Dafür danken wir dir und lieben dich, heute und morgen und in alle Ewigkeit. amen

Olalla - Bernhard Heiller

zur Erinnerung:  Olalla - heißt diese Rubrik im blog ein bißchen "reißerisch" wegen der 1.Geschichte über Olalla Oliveros - eine junge Spanierin, Model, die sich entschlossen hat, ins Kloster zu gehen. Mit ihrer Geschichte begann ich die "Geschichte MEINER  geistlichen Freunde". Menschen, die suchen - finden - suchen..DA sind

HEUTE


Dr. Berhard Heiller, ein facebook „Freund“. Einer dieser Freunde, die man nur über kurze Einträge kennt, über kurze Bemerkungen, Kommentare (ich bin ihm noch nie persönlich begegnet) – und wo man doch oft schon im 1.Augenblick weiß: da ist ein ganzer MENSCH dahinter. Bernhards Eintragungen sind immer nachdenklich, sensibel, positiv, in gewisser Weise „fürsorglich“, ich hab dahinter ein Gespür „für Andere gemerkt, ehe ich dann über „google“ herausgefunden habe, dass er sich, als Kommunikationswissenschaftler, angestellt im Verbund, seit Jahren sehr für behinderte Menschen einsetzt. Nämlich, dafür, dass auch sie „kommunizieren“, am Leben teilnehmen können
(Seit 1. Dezember 2009 unterstützt der VERBUND Empowerment Fund der Diakonie Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Beeinträchtigung in Österreich. Mit sogenannten "Assistierenden Technologien" erhalten Menschen überhaupt erst oder deutlich verbesserten Zugang zu Kommunikation und damit die Möglichkeit, am öffentlichen Leben teilzunehmen und damit ein selbstbestimmtes Leben zu gestalten.)




             "Freunde bei Verbund" nennt sich dieses Engagement, hinterm dem auch Bernhard Heiller "steckt"


Mir kam vor, dass Bernhard auch ein religiöser Mensch ist, also habe ich ihn - über facebook - gefragt, wie das „bei ihm“ ist – und ich bekam einen Text, für den ich sehr, sehr dankbar bin. Für die Offenheit, den Zweifel, das suchen … und auch den Mut zur Traurigkeit, der hinter manchem Satz steckt. Denn auch darin finden wir wohl alle einander wieder. 


Liebe Ilse, jetzt ist es doch erst heute soweit, dass ich Dir antworte - bitte entschuldige.. Ich sag es am besten einfach ganz offen: Mein "Glaube" ist seit langem in der Krise. Wenn ich die bisherigen Einträge lese, weiß ich mich als nahezu schon ungläubig. Diese Gnade des unbedingten Vertrauens in einen Gott, noch dazu in einen liebenden Gott ist mir abhanden gekommen - oder war nie so ganz da. Ich weiß es einfach nicht. Es ist in mir soviel Wut auf (und Verzweiflung über) zahllose Menschen und Unmenschen versammelt, die das Wort "Gott" penetrant im Mund führen - es stößt mich konfessionsübergreifend ab. Wenn ich heute höre, dass jemand sagt: "Gott will, dass wir..." ist es für mich zunehmend eine ungeheure Anmaßung. Ich lebe mit dem Dilemma, dass ich andererseits sehr viele Menschen bewundere, hochachte und gar liebe, die ein offensichtlich religiöses Leben entfalten. Dazu zählen aber nicht die Vertreter der "3F" - fleißig, fromm und falsch -, von denen wir in Österreich so viele zum Platzen selbstzufriedene und selbstgerechte Vertreter haben. Du, liebe Ilse, bist mit Deiner aktiven Religiosität hingegen ein Mensch, zu dem ich mit sehr viel Dank aufschaue: offenherzig, hilfsbereit, mit Deinen 1000 Guten Worten auf fb eine mitfühlende, humorvolle, kritisch denkende Seelentrösterin, Ermutigerin und Lebensberaterin. Und als Aufgaben- und Lebenshelferin für „kleine Menschen“ einfach ein ideales Vorbild! Da möchte ich mich nur ganz still bei Dir anlehnen dürfen... froh sein dürfen, dass Du Dinge sagst und tust, wie ich es direkt und indirekt lesen kann - und damit auch meine große Sehnsucht nach einer Gottessicherheit(?) nach einer großen Güte über dem irrsinnigen, offenbar endlosen, grausamen irdischen Gemetzel nähren kann.

Ich höre die religiösen Sendungen auf Ö1 mit dem Bedürfnis nach GUTEN Nachrichten über friedliche und mutige Menschen, widerständige Anständige, selbstlose Helfer, Menschen mit einem "reinen Herzen" und einer liebenden Seele für alle Mitmenschen. Jede neue Nachricht über Mörder, die sich Gottesstaaterrichter nennen, jede God-bless-you-"Segnung" aus Politikermund macht mich hingegen wütend. Wer wirklich an einen über Allen und Allem stehenden Gott glaubt, müsste doch einfach wissen, dass dieser mit keinem Wort zu vereinnehmen ist!! Fast jedes von mir als solches heftig bewunderte Kunstwerk mit religiösem Inhalt macht mich zuletzt doch unruhig, weil es letztlich "dimensioniert", was nicht dimensionierbar sein kann. Mein "Credo" wird immer mehr, dass Religion nur ein ganz privates intimes Bekenntnis sein darf - jede kalte Vermarktung der "Frohbotschaft" ist mir widerwärtig - und sei es nur der Überlegenheitsanspruch, mit dem einmal mehr verkündet wird: "Gott will, dass wir..."
Ganz abgesehen von den vertuschten Mißbrauchswahnsinnsverbrechen, die ja ein Massenphänomen(!) darstellen und den Anblick jeder Soutane für mich belastend machen, geht von vielen Klerikern ein namenlos kalter Hauch aus, lippenlos verbissene Gesichter von Menschen die angeblich die Frohbotschaft und die bedingungslos Nächstenliebe zu ihrer lebensbestimmenden Sache gemacht haben wollen?!? So empfinde ich Ordensleute am ehesten als "glaubens"würdig und vorbildgeeignet. Die weltweit großen religiösen Bekenntnisse sind für meine Wahrnehmung so massiv von zu 100% irdischen Gedanken und Zielen gekennzeichnet und ausgerichtet, dass ich davor innerlich Reißaus nehme. Und bei dem, was in mir Resonanz auslöst gilt: Je stiller, desto eindringlicher kommt es an.
Liebe Ilse: Ich bin mitten am Weg und oft ganz schrecklich traurig. Ich kann Dir nicht mit mehr dienen, es tut mir wirklich leid.Bitte nimm es mir nicht übel. Danke für all das Gute!! mit herzlicher Umarmung, Bernhard 

Bernhard ist übrigens der Sohn des berühmten Organisten und Orgelkomponisten Anton Heiller 
                                                                    der Vater
der Sohn
bei einer Rundfunkaufnahme über seinen Vater
"Es is scho wieder a Mess' g'worden..." - Zum 90. Geburtstag von Anton Heiller
 http://oe1.orf.at/programm/348612



Allen meine „geistlichen“ FreundINNEN und Freunde will ich am Ende ihres Beitrages aber auch noch eine Frage stellen: gibt es ein Gebet, einen Gedanken, ein Mantra, ein Gedicht – das für Dich, dass für Sie besonders wichtig und GUT ist. Etwas, zu dem man- in guten und weniger guten Stunden – Zuflucht nimmt, etwas, das einem hilft, ruhig macht, tröstlich ist, Zuversicht gibt
BERNHARD schrieb mir: 
nach vielem Nachdenken...: 
"Lebensgeschenk - du mein Bild mit dem unbekannten Rahmen: ich will dich ausmalen „ganz gewiß an jedem neuen Tag“

 

PS in eigener Sache: weil ich Rückmeldungen bekomme, dass es nicht möglich ist 
hier im blog einen Kommentar einzugeben, bitte - bei Bedarf - an  ilse.oberhofer@aon.at, ich freue mich!

DEIN GOTT FREUT SICH ÜBER DICH

 DEIN GOTT
freut sich und jubelt über Dich
er erneuert seine Liebe zu dir
er jubelt über Dich und frohlockt

aus der jüdischen Bibel, dem "Buch Zefanja"
heute zum Fest "Maria Heimsuchung"

und DARUM, weil Gott sich über mich freut - weil ER/SIE über mich jubelt und frohlockt
       DARUM klopf ich mir nicht dauernd "unwürdig" und vor Schuldbewusstsein an die Brust
       DARUM liebe ich einfach....und bin DANKBAR ... FREUDE

Dienstag, 1. Juli 2014

Fürbitten 2.7. Maria Heimsuchung , sich auf den Weg machen - nicht, sich aus dem Staub machen

2.7.2014 Lk.1.39 Fest Maria Heimsuchung
Maria besucht ihre Verwandte Elisabeth. Maria hat soeben erst ihr JA gesagt – Gottes Wort wächst in ihr – sie trifft die andere Frau, die ältere, schon hochschwanger mit dem künftigen Johannes. Johannes der Täufer, bei dem Jesus am Fluß seine tiefe Gotteserfahrung macht. 
Aber noch ist alles erst „im Werden“ . 
„In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg“ - so beginnt die Erzählung bei Lukas

Für mich ist das so ein großer ein Mut-machersatz: Maria machte sich auf den Weg

Wenn ich manchmal eine Aufgabe übernehme und gleich darauf habe ich Angst, dass ich es nicht kann oder es mir zu viel wird und ich eigentlich absagen will– dann denke ich mir: mach dich jetzt nicht aus dem Staub – mach es wie Maria, „mach dich auf den Weg – Gott wird schon helfen“     so bitten wir heute

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn wir unsicher und ängstlich sind

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn die Begeisterung für eine Sache schon nachlässt

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann,
wenn wir uns in der Routine schon so schön eingerichtet haben

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn wir eigentlich gerne unsere Ruhe hätten

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn es uns schwer fällt auf einen Anderen zuzugehen

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn wir hoffen es wird sich schon wer anderer finden, der etwas tut

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn uns etwas überhaupt nicht freut

dass wir uns auf den Weg machen gerade dann
wenn Gott uns immer wieder ins Unbekannte führt

Maria hat eine große Entscheidung getroffen, ins Ungewisse hinein – und sie hat sich damit auf den Weg gemacht. Hilf auch uns, dass wir jeden Tag wieder JA sagen können, zu Allem, was auf uns zukommt , damit wir die Freude an dir in den Alltag und zu den Menschen tragen können. „Dass wir uns auf den Weg machen...“ Darum bitten wir durch Jesus, unseren Bruder, der mit uns geht, heute und alle Tage.Amen

Olalla - Sr.Lucia SDS

zur Erinnerung:  Olalla - heißt dieser blog ein bißchen "reißerisch" wegen der 1.Geschichte über Olalla Oliveros - eine junge Spanierin, Model, die sich entschlossen hat, ins Kloster zu gehen. Mit ihrer Geschichte begann ich die "Geschichte MEINER" geistlichen Freunde. Danach: Sr.Krystyna von den Salvatorianerinnen, Hannelore Bayrak, Österreicherin und Muslima                                                                              und HEUTE

Ich bin Sr. Lucia –
und freue mich, dass ich in meinem fortgeschrittenen Alter ( 67 + ) (!) und als Ordensfrau (!) noch in den modernen Medien präsent sein kann …
…… die Bekanntschaft/Freundschaft mit Ilse machts möglich!
Auf unserer Homepage www.salvatorianerinnen.at bin ich in der Wiener Gemeinschaft „Emmaus“ zu finden. Wir sind eine achtköpfige Schar, hauptsächlich im Gesundheitsbereich tätig (gewesen): Krankenschwestern, Hebamme, Röntgenassistentin, Großküchenleiterin, Oberärztin.


Ich selbst tanze da ein wenig aus der Reihe, denn ich habe es ein (Ordens-)Leben lang mit Verwaltung, Behörden, Ämtern, Banken … zu tun gehabt. Ich hatte schon vor meinem Ordenseintritt, da war ich 18, eine entsprechende kaufmännische (damals war Gender noch kein Thema!) Ausbildung - und auch eine Ordensgemeinschaft muss sich um das wirtschaftliche Über-Leben kümmern - !
Das ist die eine Seite meines mittlerweile 49jährigen Ordenslebens.
Die andere Seite ist das, was wir im religiösen Fachjargon „Spiritualität“ nennen: Ein spannendes und vielversprechendes Unterfangen!
Während die ersten Jahrzehnte meines „geistlichen Weges“ auf Vertiefung des Glaubens, auf Wachsen und Entfaltung meiner Gottesbeziehung ausgerichtet waren, geht jetzt der Weg in die Mitte, zum Wesentlichen, in mein eigenes Innere – dorthin, wo alles Unwichtige, Oberflächliche, Äußerliche wegbleiben kann und die Beziehung zu Gott im einfachen Dasein vor IHM seinen Ausdruck sucht und findet. Die hl. Teresa von Avila drückt ihre Erfahrung so aus: Inneres Beten ist Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei Ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass Er uns liebt.“Diese Dimension meines Lebens ist eine wertvolle Basis bei meinen derzeitigen Aufgaben, wo der Mensch in seiner Einmaligkeit im Mittelpunkt steht: Ich arbeite seit ein paar Jahren bei einer Beratungseinrichtung der evangelischen und katholischen Kirche mit, wo sich Menschen aller sozialen Schichten mit den unterschiedlichsten Problemen und Schwierigkeiten an uns wenden. Neben der fachlichen Kompetenz ist es hilfreich, auf das eigene Von-Gott-Getragen-Sein vertrauen zu können.

Und so nebenbei besuche ich regelmäßig BewohnerInnen im Wohnheim für Blinde und Sehbehinderte im 14. Wiener Bezirk. Auch das Schicksal dieser Menschen – oft kommen zur totalen Blindheit bzw. Sehschwäche noch weitere gesundheitliche, auch psychische Einschränkungen dazu – auch deren Schicksal geht mir sehr nahe und findet einen guten Platz in meiner Hinwendung zu Gott.


                                       Und morgen ist ein neuer Tag mit neuen Möglichkeiten!
                                                   "....und wie machen wir weiter"? 
                                         schrieb Lucia augenzwinkernd unter das letzte Foto

                                               

noch ein persönliches PS: Sr.Lucia verdanke ich, dass ich mich immmer wieder fast integriert in die Schwesterngemeinschaft fühle. Nach meiner Pensionierung - als ich nicht mehr um 4.30 mit dem Taxi ins ORF Studio gefahren bin - nach meiner Pensionierung habe ich "beim joggen" in der Früh  - Wolkenbruch - die große Kapelle der Salvatorianerinnen entdeckt. "Zum Unterstellen" - dann ging ich eigentlich jeden Tag dorthin zur Frühmesse. 5.45 Laudes - 6.00 Gottesdienst. Und eines Tages kam Sr.Lucia auf mich zu, sie wußte ja gar nix von mir, und fragte mich, ob ich nicht einmal an ihrer Stelle "Lektorin" sein möchte, also Lesung, Fürbitten sprechen. Für mich war das eine EHRE, praktisch "als eine der Schwestern" so empfand ich es, den Gottesdienst mitgestalten zu dürfen. Das ist nun regelmäßig so und macht mich sehr glücklich und "mitschwesterlich"

Allen meine „geistlichen“ FreundINNEN und Freunden will ich am Ende ihres Beitrages aber auch noch eine Frage stellen: gibt es ein Gebet, einen Gedanken, ein Mantra, ein Gedicht – das für Dich, dass für Sie, besonders wichtig und GUT ist. Etwas, zu dem man- in guten und weniger guten Stunden – Zuflucht nimmt, etwas, das einem hilft, ruhig macht, tröstlich ist, Zuversicht gibt 
Sr.Lucia schrieb mir: 
 
"Wenn du es passend findest, dann verwende vorläufig folgendes Lieblingsgebet für den Blog:
„JESUS KOMM!
KOMM HERR JESUS!“
Das ist derzeit mein „Gebet für alle Fälle“: von schlaflosen Nachtstunden bis zur Feier der Eucharistie, vor drohenden Konfliktsituationen bis hin zu Ereignissen und Schicksalsschlägen, die sprachlos machen: Unfälle, Krebsdiagnosen, Krieg, Elend …."