16.8.2026 Mt.15.21 DIE GEHÖRT JA NICHT ZU UNS
Die Geschichte, die heute im Evangelium erzählt wird, ist an sich verstörend. Eine nicht-jüdische Frau kommt zu Jesus und fleht um Heilung für ihre Tochter. Jesus reagiert gar nicht auf sie und seine Jünger sagen „schick sie fort, die schreit nur hinter uns her.“ Jesus bleibt kalt und abweisend: er sei nur für die Bedürftigen seiner eigene Glaubensgemeinschaft da, sagt er. Unfassbar. Eine Haltung, die uns erschrecken lässt. Dieses Denken: WIR und die ANDEREN. Spaltet das nicht bis heute unsere Gesellschaften und führt zu den schlimmsten Konflikten!!
Der kananäischen Frau müssen wir
dankbar sein. Sie reagiert nicht beleidigt, sie könnte ihrerseits ja nun Jesus
beschimpfen - aber sie ist klug und schlagfertig. Sie will ja etwas erreichen
für ihr krankes Kind, also gibt nicht auf. Während Jesus brutal sagt“ Es ist
nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden
vorzuwerfen - entgegnet sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von
den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Die Weisheit und
Beharrlichkeit dieser Frau scheinen ein tiefes Erlebnis für Jesus zu sein. Nun
sagt er: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst.“
Von dieser Stunde an, so heißt es im Evangelium, war das Kind geheilt.
Das Evangelium will uns sicherlich zweierlei sagen: Hört auf mit dem
Denken: WIR und die ANDEREN. Wir sind eine Menschheit, gleich welche Nationalität,
gleich welche Religion oder gleich welche Hautfarbe wir haben. Und die zweite
Botschaft: Lass dich nicht zu schnell im
Leben abwimmeln, gib nicht so schnell auf. Und wenn es eine dringende Bitte an
Gott ist, bleib dran! Bitte weiter, vertraue weiter. So bitten wir
Dass wir nicht aufhören um Frieden zu beten
So viele Menschen tun es schon so intensiv und lange
Und nüchtern betrachtet scheinen sich rundum alle Konflikte eher mehr zu
verschärfen
dass wir in diesen herausfordernden Hitzetagen
auch anhaltend um eine Normalisierung des Wetters bitten
Wir bitten um Regen und gute Ernten
Auch wenn wir wissen, wie sehr wir Menschen selbst an den Zuständen
mitverantwortlich sind
Bitten wir, dass wir am Evangelium heute auch erkennen,
dass wir alles unterlassen müssen, um nicht in dieses
Denken zu verfallen: Da sind wir die Guten – und dort, das sind die
Andern
Nicht gut, gefährlich, einfach ANDERS
dass auch wir auch helfen sollen, ohne danach zu fragen,
ob dieser andere Mensch „zu uns“ gehört
oder ob er es „verdient“ hat
bitten wir, dass wir in kritischen Situationen die Fähigkeit haben
klug und konstruktiv zu reagieren
dass wir auch den Humor nicht verlieren und
auch bei Zurückweisung gelassen bleiben und nicht gehässig werden
bitten wir mit den Worten des indischen Dichters Rabindranath Tagore:
Du guter Gott, Lass uns in den Schwierigkeiten des Lebens nicht
verzweifeln
weil wir glauben, keine Hilfe zu finden
aber lass uns dich bitten,
dass wir auch unsere eigene Stärke und Kraft entdecken
so bitten wir im Namen Jesu Amen
