22.3.2026 Daniel 13.1 Susanna im Bade Joh.8.1 Jesus und die Ehebrecherin
Geschichten sind das heute wie in der U Bahn
Zeitung. Schnell gäbe es dort auch die passenden Fotos dazu. In der 1.Lesung
aus der jüdischen Bibel hören wir die berühmte Geschichte der Susanna im Bade. Eine junge Frau, sie badet nackt in ihrem Garten, wird von zwei geilen
Männern überfallen, die sie zum Sex zwingen wollen. Die junge Frau wehrt sich, aber
die Männer wollen sie nun öffentlich fertigmachen, so dass sie zu Tod
gesteinigt wird. – Denken wir nur an
unsere sozialen Netzwerke, wie schnell hier das mobbing funktioniert. „Nackte
Schlampe...“ Verzweifelt ruft Susanna zu Gott – und
er hilft tatsächlich Wörtlich heißt es in der Geschichte „da erweckte Gott den
heiligen Geist in einem jungen Mann namens Daniel“ Und diesem Daniel gelingt
es, die Schuldlosigkeit Susannes zu beweisen, nun werden die, die sie angeklagt
haben, hingerichtet.
Im
Evangelium wiederum schleppen die Frommen eine Frau zu Jesus, die man beim
Ehebruch ertappt hat. Typisch auch heute noch: in erster Linie wird die Frau
schuldig gesprochen, wo ist der dazu gehörende „Ehebrecher“? Die Frau soll
gesteinigt werden, die Frommen reiben sich die Hände: „no, wie wird sich der
gute Rabbi Jesus aus der Affaire ziehen?“ Was Jesus tut, ist großartig – kein
Psychologe und Mediator könnte besser reagieren. Den Sachverhalt, den Ehebruch an sich spricht er gar nicht
an: Jesus richtet sich an die Ankläger: „Wer von euch ohne Sünde ist, der soll
den ersten Stein werfen“ – und mit der Steinigung beginnen. Immerhin spricht es
für die Pharisäer und Schriftgelehrten, dass sie sich, einer nach dem Anderen,
kleinlaut aus dem Staub machen. Schmähstad, wie wir in Wien sagen.
Was aber heißt das für uns. Vermutlich verleumden wir niemand, vermutlich wirft
auch keiner von uns „den ersten Stein“. ABER: den „Zeigefinger“, den benützen
wir vielleicht manchmal doch. Hinzeigen – was in unseren Augen falsch ist. Und wieviel Leid entsteht durch Tratsch … so
bitten wir heute
Für alle, denen tiefes Unrecht geschieht, für
alle, oft junge Menschen, die heute Opfer von mobbing sind – dass ihnen
tatkräftig und entschieden geholfen wird
Für die Frauen in unserer Gesellschaft, die so
bestürzend oft Männern zum Opfer fallen, die sie als ihr Eigentum betrachten –
für alle Frauen, die in der eigenen Partnerschaft in großer Gefahr sind
Bitten wir, dass Gott auch in uns seinen
heiligen Geist erweckt, damit wir immer wieder für andere eintreten - dass wir
immer wieder den Mut haben, gegen Unrecht und Verleumdungen aufzustehen
Bitten wir: Dass wir uns
selbst an keinem Getratsche beteiligen
Dass wir
niemand öffentlich bloßstellen
dass wir nicht gar so selbstsicher in unseren
Urteilen sind
dass wir nicht immer besser wissen, was für
andere gut oder schlecht ist
dass wir uns auch bewusst sind, wie oft auch
noch in uns selbst Vorurteile und Vorverurteilungen stecken, gegen die wir
ankämpfen müssen
bitten wir, dass wir gerade als Christen offen
gegen jede Form von Diskriminierung in unserer Gesellschaft auftreten , dass
wir protestieren und unsere Meinung sagen, wenn Angst vor Menschen und ganzen
Menschengruppen geschürt wird
so bitten wir heute und jetzt, dass
Menschenwürde und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft bewahrt bleiben. Amen