"SEID WACHSAM", das
ist heute im Evangelium zum 1.Adventsonntag gleichsam das Mantra. Ein Mantra,
das uns zumindest diese 4 Wochen begleiten soll. Wachsam sein, achtsam,
aufmerksam – im Hier und Jetzt leben. Wahrnehmen was rund um mich geschieht,
mich engagieren, einmischen, hilfsbereit sein. Mich nicht abfinden, mit all der
Ungleichheit und Ungerechtigkeit die ich sehe.
WACHSAM SEIN! Ja! – aber gleichzeitig
spüre ich – vielleicht ist es das Alter, vielleicht sind es die 80 Jahre – ja gleichzeitig
spüre ich, dass mir – ganz tief innen – das Wachsam sein auch schon ein bissl
anstrengend wird.
Nein, ich will nicht immer
wachsam sein, ich will nicht immer angestrengt wahrnehmen, was alles schief
läuft, nicht andauernd registrieren, wo überall es Änderungen bräuchte.
Ja ich will nicht einmal gegenüber
meinem eigenen Unvermögen mehr „wachsam sein“. Ich will nicht in dieser
Anstrengung leben, dass so vieles an mir geändert, verbessert, optimiert,
geglättet werden sollte.
Im apokryphen Thomas Evangelium
habe ich schon vor längerem den Jesus Satz gefunden, der mir guttut. Ein Wort,
das mich einfach durchatmen lässt. Ein Wort, das nix von mir verlangt …Ein
Wort, das mich da-sein lässt, ein Wort, mit dem ich nicht in Anspannung leben
muss. Ich DARF …. Was immer es ist
WERDET VORÜBERGEHENDE sagt Jesus da, (im 42.Vers)
WERDET VORÜBERGEHENDE
Ist es das, was ich im Alter sein
darf? Und was ich immer und immer wieder bei Rilke gelesen habe, und es erst
jetzt immer tiefer verstehe:
"Sei allem Abschied voran, als
wäre er hinter dir"
Sei
allem Abschied voran, als wäre er hinter
dir, wie der Winter, der eben geht.
Denn unter Wintern ist einer so endlos Winter,
daß, überwinternd, dein Herz überhaupt übersteht.
Sei immer tot in Eurydike -, singender steige,
preisender steige zurück in den reinen Bezug.
Hier, unter Schwindenden, sei, im Reiche der Neige,
sei ein klingendes Glas, das sich im Klang schon zerschlug.
Sei - und wisse zugleich des Nicht-Seins Bedingung,
den unendlichen Grund deiner innigen Schwingung,
daß du sie völlig vollziehst dieses einzige Mal.
Zu dem gebrauchten sowohl, wie zum dampfen und stummen
Vorrat der vollen Natur, den unsäglichen Summen,
zähle dich jubelnd hinzu und vernichte die Zahl.
Aus: Die Sonette an Orpheus, Zweiter Teil









